Solarstromproduktion in Deutschland: Bereits im September neuer Jahresrekord
02.10.2026: Deutschland hat bei der Solarstromerzeugung einen neuen Meilenstein erreicht: Bereits am 27. September wurde mit 90,2 Terawattstunden mehr Photovoltaikstrom produziert als im gesamten Jahr 2025. Damals waren es nach Angaben der Energy-Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE insgesamt 90,0 Terawattstunden. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) nimmt den neuen Höchstwert zum Anlass, den 27. September zum diesjährigen „Solar Day“ zu erklären.
Der Rekord verdeutlicht, wie stark die Photovoltaik inzwischen zur deutschen Stromversorgung beiträgt. Nach Einschätzung des BSW-Solar ist die Entwicklung auf zwei Faktoren zurückzuführen: Einerseits gab es in diesem Jahr besonders viele Sonnenstunden, andererseits ist die installierte Solarleistung stetig gewachsen. Immer mehr Photovoltaikanlagen entstehen auf privaten Wohnhäusern, Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien. Hinzu kommen große Freiflächenanlagen sowie neue Konzepte wie Agri-Photovoltaik. Auch Batteriespeicher werden häufig nachgefragt, weil sie es ermöglichen, erzeugten Solarstrom zeitversetzt zu nutzen.
Photovoltaik wird zur tragenden Säule
Die Bedeutung der Solarenergie zeigt sich auch an der Zahl der inzwischen installierten Anlagen. Ende August waren in Deutschland mehr als 6,3 Millionen Photovoltaikanlagen in Betrieb. Zusammen verfügten sie über eine Leistung von knapp 130 Gigawatt. Einen wachsenden Anteil daran haben Steckersolargeräte: Fast 1,5 Millionen Balkonkraftwerke waren zuletzt registriert und kamen gemeinsam auf mehr als 1,6 Gigawatt Leistung.
Der Solarboom beschränkt sich dabei längst nicht mehr auf klassische Dachanlagen. Neben Anlagen auf Wohn- und Gewerbegebäuden entstehen Solarparks auf ehemaligen Bergbauflächen oder anderen Freiflächen. Schwimmende Photovoltaikanlagen auf künstlichen Gewässern sowie Solaranlagen in Kombination mit landwirtschaftlicher Nutzung gehören inzwischen ebenso zum wachsenden Portfolio. Ein Beispiel für die Dimensionen eines Solarparks ist der Energiepark Witznitz in Sachsen, der sich in einer ehemaligen Bergbauregion über eine Fläche von etwa 500 Hektar erstreckt.
Für den Bundesverband Solarwirtschaft zeigt die Entwicklung, dass Photovoltaik ihren früheren Status als Nischentechnologie endgültig hinter sich gelassen hat. Solarstrom wird mittlerweile von privaten Haushalten, Unternehmen und großen Energieerzeugern gleichermaßen produziert. Gleichzeitig können moderne Anlagen einen erheblichen Teil des Strombedarfs eines Gebäudes decken. Besonders interessant wird die Kombination mit Wärmepumpen, Elektroautos und Batteriespeichern, weil dadurch mehr selbst erzeugter Strom direkt vor Ort genutzt werden kann.
Verband fordert stabile Rahmenbedingungen für weiteren Ausbau
Der neue Produktionsrekord kommt zu einem politisch bedeutsamen Zeitpunkt. Die Bundesregierung arbeitet an der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes für 2027 sowie am sogenannten Netzpaket. Beide Vorhaben sollen den Ausbau der erneuerbaren Energien stärker an Netzkapazitäten, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit ausrichten. Gleichzeitig sind Änderungen bei der Förderung kleiner Photovoltaikanlagen vorgesehen.
Der BSW-Solar sieht diese Pläne kritisch und warnt davor, zusätzliche Hürden für Investitionen zu schaffen. Nach Ansicht des Verbandes braucht der weitere Ausbau verlässliche Rahmenbedingungen, damit private Haushalte und Unternehmen ihre Investitionen in Solaranlagen und Speicher fortsetzen. Besonders die geplante verpflichtende Direktvermarktung kleiner Anlagen sowie Veränderungen bei der Einspeisevergütung könnten nach Einschätzung des Verbandes die Investitionsbereitschaft bremsen.
Denn trotz des aktuellen Rekords ist der Ausbau noch nicht am Ziel. Bis 2030 soll die installierte Photovoltaikleistung in Deutschland auf 215 Gigawatt steigen. Ausgehend von derzeit rund 130 Gigawatt müssten dafür in den kommenden Jahren durchschnittlich etwa 20 Gigawatt zusätzliche Leistung pro Jahr entstehen.
Der Solarrekord ist damit nicht nur Anlass zur Freude, sondern zugleich ein Hinweis auf die Größenordnung der noch bevorstehenden Aufgabe. Die Photovoltaik entwickelt sich dynamisch, doch um die politischen Ausbauziele zu erreichen, muss dieser Trend nach Auffassung der Solarbranche dauerhaft fortgesetzt werden. Entscheidend wird daher sein, ob die gesetzlichen Rahmenbedingungen Investitionen weiterhin erleichtern oder zusätzliche Hürden schaffen.