Solarstandort Deutschland: Lohnt sich Photovoltaik nur in sonnenreichen Gebieten?

Photovoltaikanlage im Winter auf einem Einfamilienhaus im Schnee12.01.2026: Die Behauptung, dass sich eine Photovoltaikanlage ausschließlich dort rechnet, wo besonders viel Sonne scheint, hält sich seit Jahren hartnäckig. Solarstrom lohne sich eher in Südeuropa oder auf dem afrikanischen Kontinent, während Nord- und Mitteleuropa angeblich zu wenig Sonnenstunden böten Diese Annahme greift jedoch deutlich zu kurz. Tatsächlich zeigen Erfahrungen, Messdaten und technologische Entwicklungen, dass Photovoltaik nahezu überall in Deutschland sinnvoll eingesetzt werden kann – unabhängig davon, ob es sich um eine vermeintlich „sonnenschwache“ Region handelt.

Deutschland verfügt über ausreichend Sonnenlicht, um Solarstrom wirtschaftlich zu erzeugen. Im bundesweiten Durchschnitt kommen je nach Region zwischen etwa 1.500 und 2.000 Sonnenstunden pro Jahr zusammen. Das ist mehr als genug, um eine Photovoltaikanlage rentabel zu betreiben. Entscheidend ist dabei nicht nur die reine Anzahl an Sonnenstunden, sondern auch die Fähigkeit moderner Solarmodule, unterschiedliche Lichtverhältnisse effizient zu nutzen.

Wie viel Sonne braucht eine Photovoltaikanlage wirklich?

Oft wird unterschätzt, wie wenig direkte Sonneneinstrahlung eine PV-Anlage tatsächlich benötigt. Schon bei Tageslicht beginnt die Stromproduktion. Moderne Module reagieren nicht nur auf direkte Sonnenstrahlen, sondern auf sogenanntes diffuses Licht, das selbst bei bedecktem Himmel vorhanden ist. Dadurch erzeugen Solaranlagen auch an wolkigen Tagen und in den Herbst- und Wintermonaten kontinuierlich Energie.

Im Jahresdurchschnitt kann eine gut geplante Anlage in Deutschland pro Quadratmeter Modulfläche rund 180 bis 220 Kilowattstunden Strom liefern. Zwar sind die Erträge im Frühjahr und Sommer naturgemäß höher, doch auch in den dunkleren Monaten tragen Solaranlagen zur Eigenversorgung bei. Hinzu kommt, dass die Modultechnik in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht hat. Wirkungsgrade steigen, Verluste sinken und die Leistung bleibt über Jahrzehnte stabil.

Stromerzeugung auch bei Wolken und niedrigen Temperaturen

Ein weiterer weitverbreiteter Irrtum ist die Annahme, Photovoltaik funktioniere nur bei strahlendem Sonnenschein. In Wahrheit arbeiten Solarzellen sogar besonders effizient bei kühleren Temperaturen. Große Hitze kann den Wirkungsgrad eher verringern, während moderate Temperaturen – wie sie in Mitteleuropa üblich sind – günstige Bedingungen schaffen.

Bewölkter Himmel bedeutet ebenfalls keinen Stillstand. Das diffuse Licht, das durch Wolken gestreut wird, reicht aus, um Strom zu erzeugen. Deshalb liefern PV-Anlagen in Deutschland ganzjährig Erträge, auch wenn diese im Winter naturgemäß geringer ausfallen als im Sommer. Für die Wirtschaftlichkeit zählt jedoch der Gesamtertrag über das Jahr – und dieser fällt in Deutschland überzeugend aus.

Regionale Unterschiede in Deutschland – ein Überblick

Natürlich gibt es innerhalb Deutschlands Unterschiede bei der Sonneneinstrahlung. Diese wirken sich auf den Ertrag aus, entscheiden aber nicht grundsätzlich über die Sinnhaftigkeit einer Anlage.

In Süddeutschland, etwa in Bayern oder Baden-Württemberg, werden besonders viele Sonnenstunden gemessen. Hier sind hohe Jahreserträge und vergleichsweise kurze Amortisationszeiten möglich. Auch Teile Ostdeutschlands, darunter Sachsen, Brandenburg und Thüringen, bieten stabile Einstrahlungswerte und oft günstige Dachflächen.

Regionen wie Hessen und Rheinland-Pfalz liegen ebenfalls über dem Bundesdurchschnitt und gelten als sehr gute Standorte für Photovoltaik. Selbst im Norden Deutschlands, beispielsweise in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen, ist Solarstrom wirtschaftlich nutzbar. Zwar gibt es dort etwas weniger Sonnenstunden, doch moderne Modultechnik, sinkende Anlagenpreise und passende Förderungen gleichen diesen Unterschied weitgehend aus.

Warum rechnet sich Photovoltaik auch in weniger sonnigen Gegenden?

Der wirtschaftliche Erfolg einer PV-Anlage hängt von mehreren Faktoren ab – nicht allein von der regionalen Sonneneinstrahlung. Ein entscheidender Punkt ist der Eigenverbrauch. Je mehr des selbst erzeugten Stroms direkt im Haushalt genutzt wird, desto größer ist die Einsparung bei den Stromkosten. In Kombination mit einem Stromspeicher lässt sich dieser Effekt weiter verstärken.

Hinzu kommt die lange Lebensdauer moderner Anlagen. Viele Hersteller geben heute Leistungs- und Produktgarantien von 25 bis 30 Jahren. In dieser Zeit produziert die Anlage zuverlässig Strom, während sich die Investitionskosten häufig bereits nach 8 bis 12 Jahren amortisieren. Danach sinken die Stromkosten deutlich, da ein Großteil des Energiebedarfs durch selbst erzeugten Solarstrom gedeckt wird.

Welche Faktoren beeinflussen die Rentabilität einer Photovoltaikanlage besonders?

Neben der Sonneneinstrahlung spielen weitere Aspekte eine wichtige Rolle. Dazu zählen die Dachfläche, die Neigung, mögliche Verschattungen sowie das individuelle Stromverbrauchsprofil. Auch Flachdächer oder Carports lassen sich heute effizient mit Solarmodulen ausstatten.

Die Wahl moderner Technik, hochwertiger Wechselrichter und langlebiger Module sorgt für Planungssicherheit über Jahrzehnte. Förderprogramme und steuerliche Vorteile können die Wirtschaftlichkeit zusätzlich verbessern. Deshalb ist eine individuelle Planung entscheidend, um das volle Potenzial einer Photovoltaikanlage auszuschöpfen.

Dachausrichtung: mehr Möglichkeiten, als viele denken

Lange Zeit galt die Meinung, dass sich eine Solaranlage nur auf einem optimal ausgerichteten Süddach lohne. Auch das entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Zwar liefert eine Südausrichtung weiterhin hohe Erträge, doch Ost- und Westdächer sind inzwischen ebenfalls sehr attraktiv.

Bei einer Ost-West-Ausrichtung verteilt sich die Stromproduktion gleichmäßiger über den Tag. Das kann den Eigenverbrauch sogar erhöhen, da morgens und abends mehr Strom zur Verfügung steht. Eventuelle Mindererträge lassen sich durch eine größere Modulfläche oder den Einsatz von Leistungsoptimierern ausgleichen. Selbst Norddächer können – abhängig von Neigung und Verschattung – sinnvoll in ein Gesamtkonzept eingebunden werden, um zusätzlichen Solarstrom zu erzeugen.

Photovoltaik ist kein reines Sonnenregionen-Thema

Die Vorstellung, dass sich Solaranlagen nur in besonders sonnigen Gebieten lohnen, ist überholt. Deutschland bietet insgesamt sehr gute Voraussetzungen für die Nutzung von Photovoltaik. Dank moderner Technik, effizienter Module und intelligenter Planung ist die Stromerzeugung fast überall wirtschaftlich möglich.

Auch in Regionen mit weniger Sonnentagen können PV-Anlagen spürbare Einsparungen bringen und einen wichtigen Beitrag zur eigenen Energieversorgung leisten. Wer den Jahresertrag betrachtet und den Eigenverbrauch optimiert, profitiert langfristig – unabhängig davon, ob das Haus im Süden oder Norden Deutschlands steht. Eine fachkundige Beratung hilft dabei, die individuellen Gegebenheiten optimal zu nutzen und die passende Lösung zu finden.

Bild: KI-generiert

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