Solar unter Druck: Breites Bündnis warnt vor Rückschritten bei der Energiewende
28.01.2026: Ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen aus Wirtschaft und Gesellschaft wendet sich mit Nachdruck an die Bundesregierung und fordert, den Ausbau von Solaranlagen auf Gebäuden weiterhin entschlossen zu unterstützen. Hintergrund sind politische Überlegungen, staatliche Förderinstrumente für neue Photovoltaik-Dachanlagen stark zurückzufahren. Nach Einschätzung der beteiligten Verbände würde ein solcher Kurs nicht nur Investitionen ausbremsen, sondern auch zentrale energie- und klimapolitische Ziele gefährden. Solarstrom vom Dach sei längst mehr als ein Nischenthema – er habe sich zu einem tragenden Pfeiler einer bezahlbaren und bürgernahen Energieversorgung entwickelt.
Die Organisationen heben hervor, dass Photovoltaik zur Stabilisierung der Strompreise beitrage, weil sie günstigen Strom in den Markt einspeise und so teurere Erzeugungsarten verdränge. Davon profitierten sowohl Unternehmen als auch private Haushalte. Zudem ermögliche die Technik Millionen Menschen, selbst zu Energieproduzenten zu werden und direkt an der Energiewende teilzunehmen. Kaum eine andere Form der Energieerzeugung stoße auf eine vergleichbar breite gesellschaftliche Zustimmung. Dennoch hatte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche angekündigt, die Förderung kleiner neuer Dachanlagen weitgehend beenden zu wollen, da sich diese aus ihrer Sicht inzwischen auch ohne Zuschüsse wirtschaftlich trügen.
Verbändebündnis aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft appelliert an die Politik
Getragen wird der Appell von führenden Akteuren des Mittelstands, der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, des Verbraucherschutzes, des Umweltbereichs sowie der Elektro-, Digital- und Energiebranche. Auch das Elektrohandwerk, Unternehmen aus Energiedienstleistungen und Contracting, Bürgerenergie-Initiativen, Genossenschaften sowie die Erneuerbaren- und Speicherwirtschaft stehen hinter der Initiative.
Zusammengenommen repräsentieren die Erstunterzeichner und ihre angeschlossenen Organisationen mehr als 20 Millionen Mitglieder und über 50.000 Betriebe. Ihr gemeinsames Anliegen: Die bestehenden Ausbauziele für erneuerbare Energien sollen unangetastet bleiben, der Förderrahmen für Photovoltaik soll weiterentwickelt, aber nicht drastisch beschnitten werden. Gleichzeitig brauche es klare politische Leitlinien, damit der Solarausbau netzverträglich und systemdienlich erfolgen könne.
Wie sensibel der Markt auf politische Signale reagiert, zeigen aktuelle Befragungen. Eine repräsentative Umfrage unter privaten Immobilieneigentümerinnen und -eigentümern ergab, dass sich der Zubau von Anlagen im Einfamilienhausbereich ohne attraktive Förderbedingungen mehr als halbieren könnte. Nur noch etwa zwölf Prozent der Befragten mit geeigneter Dachfläche würden dann konkret eine Installation ins Auge fassen. Bei Mehrfamilienhäusern rechnen die Verbände sogar mit einer Verharrung auf ohnehin niedrigem Niveau. Dies hätte unmittelbare Folgen für den Klimaschutz und würde die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verlängern, die häufig teuer importiert werden müssen, aber auch für die Wirtschaft.
Mehrheit der Bevölkerung befürwortet beschleunigten Solarausbau
Bereits die jüngste Marktentwicklung deutet auf eine Abkühlung hin. Auf Basis von Daten der Bundesnetzagentur hat der Bundesverband Solarwirtschaft errechnet, dass die Nachfrage nach Solardächern im privaten Bereich zuletzt um rund ein Viertel gesunken ist. In einer Phase, in der der Markt ohnehin schwächelt, wären zusätzliche Verschlechterungen der Rahmenbedingungen besonders schädlich. Verbandschef Carsten Körnig betont, weitere Einschnitte kämen einem Bremsklotz gleich und würden dringend benötigte Investitionen ausbremsen.
Auch die öffentliche Meinung spricht aus Sicht der Branche eine klare Sprache. In einer bevölkerungsrepräsentativen Erhebung sprach sich eine deutliche Mehrheit dafür aus, den Ausbau der Solarenergie zu beschleunigen oder zumindest auf dem derzeitigen Niveau fortzuführen. Auffällig ist, dass diese Haltung parteiübergreifend geteilt wird: Sowohl Anhänger der Union als auch der SPD äußerten sehr hohe Zustimmungswerte.
Balkonkraftwerke verlieren an Wachstum
Ein Blick auf konkrete Zahlen unterstreicht den Handlungsdruck. Für 2025 wird im Heimsegment mit rund 453.800 neu installierten Dachanlagen gerechnet. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren und rund 29 Prozent unter dem Wert von 2024. Im Vergleich zu 2023 ergibt sich sogar ein Rückgang von etwa 43 Prozent. Bei der neu installierten Leistung im privaten Bereich liegt das Minus ebenfalls klar im zweistelligen Bereich. Insgesamt wurden 2025 schätzungsweise 17,5 Gigawatt neue Solarleistung errichtet – weniger, als im Durchschnitt notwendig wäre, um die langfristigen Ausbauziele zu erreichen.
Selbst bei steckfertigen Balkonanlagen, die ohne klassische Förderprogramme auskommen, hat sich das Wachstum verlangsamt. Obwohl sie wegen niedriger Kosten und einfacher Montage beliebt sind, bleibt ihr Beitrag zur Gesamtstromerzeugung begrenzt. Aus Sicht der Verbände zeigt das Gesamtbild klar: Statt Förderkürzungen brauche es verlässliche, planbare Rahmenbedingungen, damit die Solarenergie auf Dächern ihre Schlüsselrolle in der Energiewende weiter ausfüllen kann.