PV-Studie: Verpflichtende Direktvermarktung wirkt auf Investitionsentscheidung
04.02.2026: Kleine Photovoltaik-Dachanlagen spielen eine deutlich größere Rolle für die Energiewende, als oft angenommen wird. Eine aktuelle Analyse des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), erstellt im Auftrag der EWS Schönau, zeigt: Dezentrale Anlagen bis 30 kWp sind nicht nur ein relevanter Teil der heutigen Stromerzeugung, sondern auch entscheidend für das Erreichen zukünftiger Ausbauziele. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sorgfältig weiterentwickelt werden müssen, damit dieser Bereich sein Potenzial voll entfalten kann.
Ein zentrales Ergebnis: Kleine PV-Dachanlagen stellen bereits heute mehr als ein Drittel der installierten Photovoltaikleistung in Deutschland. Ihr Zubau war in den vergangenen Jahren dynamisch – insbesondere im privaten und kleingewerblichen Bereich. Gerade weil große Freiflächenprojekte nicht überall möglich oder akzeptiert sind, gelten Dächer als wichtige, konfliktarme Ausbaufläche.
Wirtschaftlichkeit als Schlüssel zum weiteren Ausbau
Die Investitionsentscheidung privater Haushalte hängt stark von der Wirtschaftlichkeit ab. Laut Studie sind kleine PV-Anlagen unter den aktuellen Bedingungen mit EEG-Einspeisevergütung in vielen Fällen attraktiv – vor allem dann, wenn ein hoher Anteil des erzeugten Stroms selbst verbraucht wird. Eigenverbrauch senkt die Strombezugskosten und erhöht die Rendite deutlich im Vergleich zur reinen Volleinspeisung.
Problematisch könnte es jedoch werden, wenn sich der regulatorische Rahmen schnell in Richtung verpflichtender Direktvermarktung verschiebt. Dabei verkaufen Anlagenbetreiber ihren Strom nicht mehr zu festen EEG-Sätzen, sondern marktbasiert. Die Analyse zeigt, dass sich unter solchen Bedingungen die Amortisationszeit kleiner Anlagen um mehrere Jahre verlängern kann.
Für die Direktvermarktung kleiner PV-Dachanlagen bis 30 kW wäre derzeit außerdem eine rund 15 % höhere Eigenverbrauchsquote erforderlich, um denselben wirtschaftlichen Ertrag wie unter EEG-Vergütung zu erzielen, was voraussichtlich zu kleineren Anlagen und nicht vollständig genutzten Dachflächen führen würde. Für viele private Investoren würde das die Entscheidung deutlich unattraktiver machen – insbesondere, wenn zusätzlicher organisatorischer Aufwand und neue technische Anforderungen hinzukommen. Die Anlagen würden insgesamt kleiner werden.
Direktvermarktung: Chancen und Hürden
Grundsätzlich bietet die Direktvermarktung systemische Vorteile. Sie kann dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch stärker am Marktgeschehen auszurichten und Flexibilität zu fördern. Perspektivisch lassen sich so Preissignale besser nutzen, um Einspeisung netz- und systemdienlicher zu gestalten. Gerade in einem Stromsystem mit hohem Anteil erneuerbarer Energien ist das ein wichtiger Baustein.
Für kleine Anlagen ist dieser Weg derzeit jedoch mit Hürden verbunden. Technische Voraussetzungen wie Smart Meter, geeignete Messkonzepte und digitale Schnittstellen sind noch nicht flächendeckend verfügbar. Hinzu kommen komplexe Abrechnungsprozesse und zusätzliche Verträge mit Direktvermarktern. Der Aufwand steht für viele Betreiber kleiner Dachanlagen in keinem günstigen Verhältnis zur erzeugten Strommenge. Ohne Vereinfachungen droht daher, dass sich die Direktvermarktung in diesem Segment nur langsam durchsetzt.
Systemdienlichkeit braucht passende Instrumente
Ein weiterer Fokus der Studie liegt auf der Frage, wie kleine PV-Anlagen besser ins Energiesystem integriert werden können. Dezentral erzeugter Solarstrom hat grundsätzlich Vorteile: Er wird oft nahe am Verbrauchsort produziert und kann lokale Netze entlasten. Gleichzeitig führen hohe gleichzeitige Einspeisespitzen an sonnigen Tagen zu Herausforderungen in Verteilnetzen.
Hier sehen die Forschenden vor allem Bedarf bei geeigneten Steuerungs- und Preissignalen. Dynamische Netzentgelte, zeitvariable Tarife und ein beschleunigter Smart-Meter-Rollout könnten Anreize schaffen, Strom stärker zeitlich zu verschieben oder lokal zu nutzen. Auch Batteriespeicher, Wärmepumpen und Elektromobilität lassen sich so besser einbinden. Kleine PV-Anlagen würden dadurch nicht nur Strom liefern, sondern aktiv zur Flexibilisierung beitragen.
Stimmen aus der Praxis
Ergänzend zur Modellanalyse wurden Marktakteure befragt, darunter Energieversorger, Direktvermarkter und Netzbetreiber. Viele bestätigen, dass das Potenzial dezentraler Anlagen groß ist, sehen aber deutlichen Verbesserungsbedarf bei Prozessen und Regulierung. Besonders häufig genannt werden bürokratische Hürden, uneinheitliche technische Anforderungen und aufwendige Marktkommunikation.
Gerade für private Betreiber, die keine Energieexperten sind, wirken diese Komplexitäten abschreckend. Die Studie unterstreicht deshalb, dass Vereinfachung ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Standardisierte digitale Prozesse und leicht verständliche Produkte könnten dazu beitragen, neue Geschäftsmodelle auch für kleine Anlagen zugänglich zu machen.
Empfehlungen für die Weiterentwicklung
Die Autorinnen und Autoren sprechen sich nicht gegen Veränderungen aus, sondern für einen abgestimmten Übergang. Kurz- bis mittelfristig sollte die EEG-Vergütung für kleine Dachanlagen als stabiler Investitionsrahmen erhalten bleiben. Parallel dazu sollten neue Modelle erprobt werden, die Marktintegration und Wirtschaftlichkeit verbinden – etwa Kombinationen aus festen Vergütungsbestandteilen und dynamischen Komponenten.
Zudem wird ein konsequenter Bürokratieabbau gefordert. Vereinfachte Anmeldeverfahren, standardisierte Schnittstellen und klare Verantwortlichkeiten zwischen Netzbetreibern, Messstellenbetreibern und Marktpartnern würden die Einstiegshürden senken. Technische Infrastruktur wie Smart Meter sollte zügig ausgerollt werden, damit neue Tarife und Flexibilitätsoptionen überhaupt nutzbar sind.
Große Wirkung aus vielen kleinen Anlagen
Die zentrale Botschaft der Studie ist klar: Kleine PV-Dachanlagen sind ein tragender Pfeiler der Energiewende. Sie verbinden Klimaschutz, Bürgerbeteiligung und regionale Wertschöpfung.
Damit dieser Bereich weiter wächst, müssen Wirtschaftlichkeit, Einfachheit und Systemintegration zusammengedacht werden. Ein behutsamer Übergang zu stärker marktbasierten Modellen – begleitet von digitalen und regulatorischen Verbesserungen – kann dafür sorgen, dass dezentrale Solarenergie auch künftig eine Erfolgsgeschichte bleibt.