Solaranlage: Lohnt sich Photovoltaik für private Haushalte ohne Förderung?
17.02.2026: Die Debatte um die Zukunft der Photovoltaik in Deutschland wird aktuell intensiv geführt. Immer häufiger wird behauptet, dass sich Solaranlagen ohne staatliche Förderung kaum noch rechnen würden. Besonders seit den jüngsten Ankündigungen von Katherina Reiche (CDU) wächst die Unsicherheit bei vielen Hausbesitzern. Doch trotz der kritischen Stimmen gilt: Eine Photovoltaikanlage kann sich weiterhin wirtschaftlich lohnen – auch ohne Einspeisevergütung.
Politische Pläne sorgen für Unsicherheit
Die Bundeswirtschaftsministerin Reiche hat angekündigt, die Förderung für private Solaranlagen zu beenden. Im Mittelpunkt steht dabei die geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, das bislang die Einspeisevergütung für eingespeisten Strom regelt. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wird noch im Februar 2026 erwartet.
Bereits jetzt berichten viele Unternehmen der Solarbranche von sinkenden Auftragseingängen. Immer weniger Haushalte entscheiden sich aktuell für eine eigene Anlage. Branchenvertreter befürchten, dass sich diese Entwicklung durch die geplanten Änderungen weiter verstärken könnte.
Zusätzlich plant das Ministerium ein sogenanntes Netzpaket. Dieses könnte Netzbetreibern erlauben, Baukostenzuschüsse für neue Anschlüsse zu verlangen. Diese zusätzlichen Gebühren könnten auch private Haushalte betreffen, selbst wenn der Anschluss bereits vorhanden ist.
Zusätzliche Kosten als neue Hürde
Besonders kritisch wird bewertet, dass diese Gebühren unabhängig vom tatsächlichen Bedarf erhoben werden könnten. Selbst wenn keine Anpassungen am Stromnetz notwendig sind, sollen Anlagenbetreiber möglicherweise zur Kasse gebeten werden.
Für eine typische Photovoltaikanlage mit rund 10 Kilowatt Leistung könnten dadurch zusätzliche Kosten von etwa 1.000 Euro entstehen. Da es in Deutschland viele verschiedene Netzbetreiber gibt, könnten die Gebühren zudem unterschiedlich hoch ausfallen. Für private Haushalte würde die Investition dadurch weniger planbar.
Viele Experten sehen darin eine mögliche Bremse für den Ausbau erneuerbarer Energien. Statt Investitionen zu fördern, könnten zusätzliche Kosten die Bereitschaft zum Umstieg verringern.
Ohne Einspeisevergütung: Lohnt sich Solar noch?
Die zentrale Frage lautet: Ist Photovoltaik ohne Einspeisevergütung noch wirtschaftlich? Die Antwort ist differenziert, aber keineswegs negativ. Früher war die Einspeisung ins Netz der wichtigste Faktor für die Rentabilität einer Anlage. Betreiber erhielten für jede eingespeiste Kilowattstunde eine feste Vergütung. Heute liegt der Betrag jedoch deutlich unter den Strompreisen für Haushalte.
Den entscheidenden Vorteil bringt inzwischen der Eigenverbrauch. Strom aus der eigenen Anlage ist deutlich günstiger als Strom aus dem öffentlichen Netz. Während Haushalte häufig zwischen 30 und 40 Cent pro Kilowattstunde zahlen, kann Solarstrom oft für 8 bis 15 Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden. Wer den selbst erzeugten Strom direkt nutzt, spart also bei jeder verbrauchten Kilowattstunde Geld.
Eigenverbrauch wird zum entscheidenden Faktor
Die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Entscheidend ist heute vor allem, wie viel des erzeugten Stroms im eigenen Haushalt genutzt wird.
Besonders vorteilhaft ist eine PV-Anlage für Haushalte mit hohem Strombedarf. Das gilt etwa für Gebäude, die mit einer Wärmepumpe beheizt werden, oder für Haushalte, die ein Elektroauto besitzen. Auch größere Familien mit einem insgesamt höheren Energieverbrauch profitieren stärker von selbst erzeugtem Strom.
Zusätzlich kann ein Batteriespeicher helfen, den Eigenverbrauch zu erhöhen. So wird Solarstrom effektiv genutzt, wenn die Sonne gerade nicht scheint. Je mehr Strom selbst verbraucht wird, desto größer ist die Einsparung.
Studien sehen differenziertes Bild
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich Photovoltaik weiterhin lohnen kann. Analysen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme kommen zu dem Ergebnis, dass vor allem Haushalte mit hohem Eigenverbrauch wirtschaftlich profitieren.
Das bedeutet jedoch nicht, dass nur wenige Haushalte geeignet sind. Immer mehr Gebäude kombinieren Strom, Wärme und Mobilität miteinander. Wer beispielsweise Solarstrom für die Heizung oder das Laden eines Elektroautos nutzt, kann die Vorteile deutlich steigern.
Kritik an der politischen Strategie wächst
Die geplanten Änderungen aus dem Wirtschaftsministerium stoßen zunehmend auf Kritik. Vertreter der Branche warnen, dass der Wegfall der Förderung und zusätzliche Gebühren den Ausbau erneuerbarer Energien ausbremsen.
Private Haushalte spielen eine zentrale Rolle bei der Energiewende. Wenn Investitionen unattraktiver werden, könnte das langfristig negative Auswirkungen auf Klimaziele und Versorgungssicherheit haben.
Die Novelle kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt. Der Markt für Solaranlagen schwächelt bereits. Weitere Belastungen könnten diese Entwicklung verstärken, was wiederum Arbeitsplätze in Deutschland kosten würde. Eine ähnliche Entwicklung gab es bereits 2012, damals verursacht durch Peter Altmaier von der CDU.
Warum sich Photovoltaik trotzdem lohnt
Photovoltaikanlagen bieten weiterhin klare wirtschaftliche Vorteile. Sie ermöglichen es Haushalten, sich unabhängiger von steigenden Strompreisen zu machen und ihre Energiekosten langfristig zu stabilisieren. Gleichzeitig kann eine Solaranlage den Wert einer Immobilie erhöhen, da sie die Energieeffizienz verbessert und zukünftige Energiekosten senkt.
Die Einsparung von teurem Netzstrom bleibt jedoch das wichtigste Kriterium bei der Investition in eine eigene Solaranlage. Wer einen großen Teil seines Strombedarfs selbst deckt, kann seine laufenden Kosten deutlich senken. Im Jahr 2010 kostete eine Kilowattstunde Strom noch 23,7 Cent. 2025 lag der Preis bei durchschnittlich 39 Cent je Kilowattstunde.
Darüber hinaus leisten Betreiber einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, indem sie erneuerbare Energie nutzen und den CO₂-Ausstoß reduzieren. Mit dem EU-Emissionshandel ab 2028 wird sich der CO2-Preis zudem grundlegend verändern.
Neue Rechnung, gleicher Nutzen
Die Rahmenbedingungen für Photovoltaik verändern sich. Förderungen könnten wegfallen und zusätzliche Gebühren eingeführt werden. Dadurch wird die Wirtschaftlichkeitsrechnung komplexer.
Dennoch bleibt Photovoltaik für viele Haushalte attraktiv. Der Fokus verschiebt sich von der Einspeisung hin zum Eigenverbrauch. Wer seinen selbst erzeugten Strom effizient nutzt, kann auch ohne staatliche Förderung profitieren.
Die pauschale Aussage, dass sich Photovoltaik ohne Förderung nicht mehr lohnt, ist daher nicht zutreffend. In vielen Fällen bleibt die Investition sinnvoll – vorausgesetzt, die Anlage wird an den eigenen Verbrauch angepasst.