Koalition plant Energie-Umbau: Kritik an EEG, Netzen und Gasstrategie
28.04.2026: Union und SPD haben sich auf die Grundlinien der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) geeinigt. Dazu gehören – neben der Reform des EEG – ein umfangreiches Netzpaket sowie eine neue Kraftwerksstrategie. Damit soll die Energiepolitik neu geordnet und die Versorgungssicherheit in den kommenden Jahren abgesichert werden. Nach der politischen Einigung folgt nun die Ressortabstimmung innerhalb der Bundesregierung. Anschließend dürfte das parlamentarische Verfahren beginnen.
Nach ersten Einschätzungen bleiben die nun abgestimmten Entwürfe in vielen Punkten nahe an den bereits zuvor bekannt gewordenen Vorlagen aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Das sorgt für neue Debatten, denn Verbände, Unternehmen und Wissenschaft hatten an den ursprünglichen Plänen teils massive Kritik geübt. Vor allem die Rolle erneuerbarer Energien, die Finanzierung neuer Reservekraftwerke und zusätzliche Hürden beim Netzausbau stehen im Fokus.
EEG-Reform soll Förderung neu ordnen
Mit der EEG-Novelle will die Regierung die Kosten der Solarstromförderung senken und das Fördersystem stärker an den Markt anpassen. Besonders umstritten ist der Plan, für neue kleinere Dachanlagen künftig keine klassische Einspeisevergütung mehr vorzusehen. Betreiber neuer Photovoltaikanlagen ab 25 Kilowatt sollen ihren eingespeisten Strom stattdessen direkt vermarkten und nur noch marktbasierte Erlöse erhalten.
Zudem soll die verpflichtende Direktvermarktung deutlich früher greifen. Bislang galt diese Grenze erst für größere Anlagen, künftig sollen bereits kleinere gewerbliche oder private Systeme betroffen sein. Für größere Solarparks und leistungsstärkere Anlagen ab 100 Kilowatt ist außerdem ein neues Modell mit Differenzverträgen vorgesehen. Dabei werden Erlöse teilweise abgeschöpft, wenn Marktpreise über einem festgelegten Zuschlagswert liegen.
Kritiker warnen, dass diese Änderungen besonders private Haushalte, kleinere Unternehmen und Vermieter treffen könnten. Für viele Dachanlagen würde sich die Wirtschaftlichkeit verschlechtern, weil Einnahmen schwerer kalkulierbar wären. Branchenvertreter befürchten deshalb einen Rückgang bei Neuinstallationen auf Wohnhäusern, Mietobjekten und kleineren Gewerbedächern.
Wie sich die Einspeisevergütung auf die Wirtschaftlichkeit privater Solardachanlagen auswirkt, lesen Sie hier.
Netzpaket bringt neue Eingriffe beim Ausbau
Parallel dazu plant die Koalition tiefgreifende Änderungen beim Stromnetz. Ziel ist es, den Ausbau von Wind- und Solaranlagen stärker mit dem Netzausbau zu verzahnen. Regionen mit wiederkehrenden Engpässen sollen als kapazitätsbegrenzt eingestuft werden können. In solchen Gebieten drohen Projektentwicklern zusätzliche Einschränkungen.
Vorgesehen ist außerdem, dass Netzbetreiber künftig Baukostenzuschüsse verlangen können, wenn neue Anlagen angeschlossen werden. Zusätzlich sollen Anschlussverfahren digitalisiert und vereinheitlicht werden. Zwar könnte das Prozesse beschleunigen, zugleich warnen Kritiker vor steigenden Kosten und höherer Unsicherheit für Investoren.
Besonders umstritten ist die Sorge, dass große Teile Deutschlands faktisch ausgebremst werden könnten, wenn Netzengpässe zum zentralen Kriterium für neue Genehmigungen werden. Gerade in Bundesländern mit starkem Ausbau erneuerbarer Energien könnten geplante Projekte wirtschaftlich schwer kalkulierbar werden.
Kraftwerksstrategie setzt stark auf Gas
Ein weiterer Kernpunkt ist die neue Kraftwerksstrategie. Mit einem Versorgungssicherheitsgesetz will die Bundesregierung zusätzliche gesicherte Leistung aufbauen, die einspringt, wenn Wind- und Solaranlagen zeitweise wenig Strom liefern. Dafür sollen mehrere Ausschreibungen mit insgesamt zwölf Gigawatt neuer Kapazitäten stattfinden.
Die ersten Ausschreibungen sehen hohe technische Anforderungen vor: Anlagen müssen über viele Stunden konstant Strom liefern und nach kurzer Pause erneut verfügbar sein. Nach Ansicht zahlreicher Marktteilnehmer erfüllen diese Vorgaben vor allem neue Gaskraftwerke. Batteriespeicher oder flexible Verbrauchslösungen hätten dadurch kaum Chancen auf Zuschläge.
Genau daran entzündet sich die Debatte um Technologieoffenheit. Wirtschaftsverbände kritisieren, dass der Markt nicht frei über die effizienteste Lösung entscheiden könne. Statt Wettbewerb drohe eine politische Priorisierung zugunsten fossiler Reservekapazitäten.
Verbände warnen vor höheren Kosten
Mehrere Energieunternehmen und Verbände rechnen damit, dass die geplanten Maßnahmen den Strompreis belasten könnten. Neue Gaskraftwerke müssten über Umlagen oder andere Finanzierungsmodelle unterstützt werden. Gleichzeitig könnten günstigere Alternativen wie Speicher, Lastmanagement oder virtuelle Kraftwerke benachteiligt werden.
Auch Umweltverbände kritisieren die Richtung der Reformen. Ihrer Einschätzung nach würde Deutschland damit stärker an fossile Importe gebunden, obwohl die Energiekrise gezeigt habe, wie teuer Abhängigkeiten von Gas und Öl werden können. Stattdessen brauche es mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien, mehr Digitalisierung und mehr Flexibilität im Stromsystem.
Studien aus dem Umfeld der Energiewirtschaft warnen zudem vor gefährdeten Investitionen. Bereits geplante Wind- und Solarprojekte mit einem Umfang von mehreren Dutzend Gigawatt könnten verschoben oder gestrichen werden, wenn Anschlussregeln, Förderlogik und Erlösperspektiven unklar bleiben.
Solarbranche sieht Jobs in Gefahr
Besonders deutlich fällt die Kritik aus der Solarwirtschaft aus. Der Bundesverband Solarwirtschaft fordert Nachbesserungen an der EEG-Novelle. Sollte die Einspeisevergütung für kleinere Dachanlagen wegfallen, könnte die Nachfrage nach Solaranlagen deutlich sinken. Betroffen wären nicht nur Hersteller, sondern auch Installationsbetriebe, Handwerksfirmen und regionale Dienstleister.
Hinzu kommt ein praktisches Problem: Die verpflichtende Direktvermarktung kleiner Anlagen setzt technische und organisatorische Strukturen voraus, die vielerorts noch fehlen. Ohne einfache Standardlösungen könnten viele Betreiber schlechtere Erlöse erzielen als bisher.
Umfragen deuten laut Branchenvertretern darauf hin, dass Kürzungen bei der Solarförderung in der Bevölkerung auf wenig Zustimmung stoßen. Viele Eigentümer wünschen sich stabile Rahmenbedingungen, um in günstigen Strom vom eigenen Dach investieren zu können.
Entscheidung mit Signalwirkung
Die kommenden Wochen dürften entscheidend werden. In der Ressortabstimmung und später im Bundestag sind Änderungen noch möglich. Die zentrale Frage lautet, ob die Regierung den Fokus auf fossile Reservekraftwerke beibehält oder stärker auf Speicher, Netze und erneuerbare Energien setzt.
Fest steht: Die jetzt geplanten Gesetze betreffen nicht nur Unternehmen und Energieversorger, sondern Millionen Haushalte. Sie entscheiden mit darüber, wie teuer Strom künftig wird, wie schnell der Ausbau erneuerbarer Energien vorankommt und wie unabhängig Deutschland bei seiner Energieversorgung sein kann.