Grüngas ohne Preisschild: Warum Heizen mit Gas langfristig zur Kostenfalle wird

Gas wird teurer14.04.2026: Die Bundesregierung setzt beim Heizen künftig wieder stärker auf Technologieoffenheit und ermöglicht damit weiterhin den Einbau von Gas- und Ölheizungen. Gleichzeitig treibt das Bundeswirtschaftsministerium neue Instrumente voran, die diese Systeme perspektivisch verteuern. Im Zentrum steht dabei die geplante Einführung einer sogenannten Grüngasquote – bislang ohne belastbare Kostenprognosen für Verbraucher.

Konkret ist vorgesehen, ab 2028 eine Beimischung klimaneutraler Gase wie Biomethan oder Wasserstoff verpflichtend einzuführen. Diese Quote soll zunächst bei bis zu einem Prozent liegen und in den Folgejahren weiter steigen. Ziel ist es, bestehende Gasnetze schrittweise klimaneutral zu machen. Wie teuer dieser Umbau für Haushalte wird, kann das zuständige Ministerium derzeit nicht beziffern.

Grüngasquote: Politische Idee ohne klare Kostenbasis

Dass eine zentrale energiepolitische Maßnahme ohne konkrete Preisabschätzung vorangetrieben wird, sorgt zunehmend für Kritik. Das Ministerium räumt ein, dass mögliche Mehrkosten bislang nicht berechnet wurden. Gleichzeitig warnen Studien vor spürbaren finanziellen Belastungen.

Berechnungen zeigen, dass bereits bei einer Quote von sieben Prozent zusätzliche Kosten von rund 178 Euro pro Jahr für einen durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt entstehen könnten. Mit steigender Quote wächst die Belastung: Bis 2035 werden rund 350 Euro jährlich erwartet – ohne Berücksichtigung weiter steigender CO₂-Preise im Rahmen des EU-Emissionshandels ab 2028. Marktanalysen zeigen zudem, dass Tarife mit beigemischtem Grüngas bereits heute rund 25 Prozent teurer sind als klassische Erdgasangebote.

Begrenzte Verfügbarkeit treibt Preise zusätzlich

Ein zentrales Problem ist die Verfügbarkeit der sogenannten grünen Gase. Sowohl Biomethan als auch Wasserstoff stehen nur in begrenzten Mengen zur Verfügung und werden gleichzeitig in der Industrie benötigt, wo Alternativen oft fehlen. Der Einsatz im Gebäudesektor konkurriert damit direkt mit anderen, systemkritischen Anwendungen.

Studien kommen daher zu dem Ergebnis, dass die Grüngasquote weniger zur Transformation beiträgt, sondern vielmehr zusätzliche Kosten verursacht. Der verpflichtende Einsatz könnte dazu führen, dass vermehrt teure Importe notwendig werden – etwa bei Biomethan aus dem Ausland. Für private Haushalte bedeutet das: Sie finanzieren über höhere Gaspreise eine Entwicklung, von der sie selbst kaum profitieren.

Politischer Widerspruch: Einbau erlaubt, Nutzung verteuert

Parallel zur Grüngasstrategie verändert sich auch der Aufbau der Gasinfrastruktur. Die Bundesregierung plant, Netzbetreibern künftig die Stilllegung von Gasnetzen zu ermöglichen. Gleichzeitig sollen verbleibende Netze schrittweise auf klimaneutrale Gase umgestellt werden.

Die Folge: Die Kosten für diesen Umbau werden nicht verschwinden, sondern umverteilt. Künftig sollen sie stärker über die Netzentgelte auf die verbleibenden Gaskunden umgelegt werden. Schon heute machen diese Netzentgelte rund 20 Prozent des Gaspreises aus – mit steigender Tendenz. Langfristige Szenarien gehen davon aus, dass sich diese Kosten deutlich erhöhen könnten, wenn immer mehr Haushalte aus dem Gasnetz aussteigen.

Damit entsteht ein grundsätzlicher Widerspruch: Einerseits wird der Einbau neuer Gasheizungen wieder erleichtert, andererseits steigen die laufenden Kosten für deren Betrieb kontinuierlich an.

Langfristige Perspektive für Gaskunden: Steigende Kosten sind systembedingt

Die Verteuerung von Gas ist keine unsichere Entwicklung, sondern ergibt sich aus mehreren bereits beschlossenen Mechanismen. Fossile Energieträger wie Erdgas werden gezielt verteuert, um Anreize zum Umstieg auf eine Wärmepumpe oder andere klimaneutrale Heizsysteme zu schaffen.

Gleichzeitig wirken strukturelle Effekte im Netz: Sinkt die Zahl der Gaskunden, bleiben die Fixkosten der Infrastruktur bestehen und verteilen sich auf weniger Haushalte. Hinzu kommt, dass Kosten für den Rückbau von Gasanschlüssen – beispielsweise bei der Umrüstung auf eine Wärmepumpe – und Netzen künftig über die Netzentgelte auf die verbleibenden Kunden umgelegt werden. Ergänzt wird diese Entwicklung durch die geplante Grüngasquote, die aufgrund begrenzter Verfügbarkeit und höherer Produktionskosten zusätzlich preistreibend wirkt.

Unter dem Strich greifen damit mehrere Faktoren ineinander, die alle in dieselbe Richtung wirken. Steigende CO₂-Kosten, höhere Netzentgelte und zusätzliche Umlagen führen dazu, dass das Heizen mit Gas langfristig systematisch teurer wird. Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines: Die wirtschaftlichen Risiken liegen zunehmend bei denjenigen, die im Gassystem verbleiben.

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