Gebäudemodernisierungsgesetz: Gasheizung erlaubt, Kostenrisiken wachsen

Wartung einer effizienten Wärmepumpe07.05.2026: Die Bundesregierung plant mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz eine umfassende Neuregelung für den Heizungsmarkt. Das bisherige Gebäudeenergiegesetz soll ersetzt werden, gleichzeitig sollen Eigentümer künftig mehr Wahlfreiheit bei der Heiztechnik erhalten. Im Mittelpunkt steht dabei die Entscheidung, dass neue Gas- und Ölheizungen weiterhin eingebaut werden dürfen, wie der Entwurf der Koalition vom 5. Mai 2026 zeigt. Für viele Hausbesitzer klingt das zunächst nach Entlastung und Planungssicherheit. Die Bundesregierung will den Gesetzentwurf kommende Woche im Kabinett beschließen und noch vor der parlamentarischen Sommerpause im Juli verabschieden. Damit könnten die neuen Regelungen voraussichtlich noch 2026 in Kraft treten.

Diese Neuerungen sieht der Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes vor:

  • Neue Heizungen müssen nach dem Entwurf künftig nicht mehr zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden.
  • Neben Wärmepumpe, Fernwärme und Biomasse bleiben Gas- und Ölheizungen weiterhin zulässig.
  • Diese Anlagen sollen ab 2029 schrittweise CO₂-neutrale Brennstoffe nutzen.
  • Möglich sind unter anderem Biomethan, Bioöl oder Wasserstoff.
  • Geplante Beimischungsquoten:
    • ab 2029: 10 %
    • ab 2030: 15 %
    • ab 2035: 30 %
    • ab 2040: 60 %
  • Für das Jahr 2045 enthält der Entwurf bislang keine konkrete Regelung.
  • Ebenfalls offen bleibt, wie Gas- und Ölheizungen langfristig vollständig ohne fossile Energieträger betrieben werden sollen.

Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein deutlich komplexeres Bild. Zwar bleibt der fossile Weg grundsätzlich offen, gleichzeitig sollen diese Heizsysteme schrittweise mit klimafreundlicheren Brennstoffen betrieben werden. Ab 2029 ist eine erste Beimischung vorgesehen, in den folgenden Jahren steigen die Quoten weiter an. Damit verlagert sich die Debatte zunehmend von der Frage der Zulässigkeit hin zu den künftigen Kosten.

Viele Fachleute sehen darin einen scheinbar einfachen Weg, der langfristig teuer werden könnte. Denn neben dem eigentlichen Heizkessel spielen künftig auch Brennstoffpreise, CO₂-Kosten und Netzentgelte eine immer größere Rolle. Für Eigentümer und Mieter ist deshalb entscheidend, nicht nur auf die Anschaffungskosten zu schauen, sondern auf die Gesamtkosten über viele Jahre.

Fossile Heizungen bleiben möglich – aber unter neuen Bedingungen

Nach dem aktuellen Entwurf sollen neu installierte Heizungen nicht mehr zwingend zu einem festen Anteil mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Stattdessen bleibt der Einbau klassischer Gas- und Ölheizungen erlaubt, sofern diese schrittweise auf alternative Brennstoffe umgestellt werden. Dazu zählen etwa Biomethan, Bioöl oder Wasserstoff.

Die vorgesehenen Quoten steigen über die Jahre deutlich an. Was politisch als Technologieoffenheit verkauft wird, könnte wirtschaftlich jedoch erhebliche Folgen haben. Grüne Brennstoffe gelten als begrenzt verfügbar und häufig deutlich teurer als fossile Energieträger. Gleichzeitig ist insbesondere Wasserstoff in vielen Industriebereichen stark gefragt und dürfte dort priorisiert eingesetzt werden.

Für private Haushalte stellt sich daher die Frage, ob diese Versorgung in großem Umfang realistisch und bezahlbar sein wird. Kritiker bezweifeln, dass ausreichend Mengen zu tragbaren Preisen bereitstehen werden. Wer heute eine neue Gasheizung installiert, könnte deshalb später mit steigenden Betriebskosten konfrontiert sein.

Wärmepumpe bleibt wirtschaftlich oft attraktiver

Auch wenn fossile Heizsysteme künftig zulässig bleiben, erwarten viele Marktbeobachter weiterhin einen wachsenden Anteil elektrischer Heizlösungen. Wärmepumpen gelten vor allem in gut geeigneten Gebäuden als zukunftsfähige Alternative, weil sie ohne direkte Verbrennung auskommen und mit erneuerbarem Strom betrieben werden können.

Mehrere europäische Länder zeigen bereits, dass dieser Weg in großem Maßstab funktioniert. Besonders in Skandinavien sind Wärmepumpen seit Jahren weit verbreitet. Dort werden auch kalte Winter zuverlässig mit dieser Technik bewältigt. Deutschland liegt im Vergleich bislang deutlich zurück, obwohl die Nachfrage zuletzt gestiegen ist.

Für Eigentümer bedeutet das: Die Entscheidung für eine Heiztechnik sollte nicht allein nach aktueller politischer Stimmung getroffen werden. Maßgeblich sind vielmehr Gebäudestandard, verfügbare Fördermittel, Energiekosten und die langfristige Nutzungsdauer der Anlage.

Folgen für Mieter und Vermieter

Besonders relevant sind die neuen Regeln für Mietverhältnisse. Wenn Vermieter künftig erneut auf Gas- oder Ölheizungen setzen, sollen sie sich ab 2028 an bestimmten Zusatzkosten beteiligen. Dazu gehören Mehrkosten durch steigende CO₂-Preise oder durch vorgeschriebene Beimischungen klimafreundlicher Brennstoffe.

Damit würden Mieter nicht mehr sämtliche Folgekosten allein tragen. Nach aktuellem Stand ist vorgesehen, dass zusätzliche Belastungen hälftig zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt werden. Das soll Anreize schaffen, wirtschaftlich sinnvolle und zukunftsfähige Heizsysteme zu wählen.

In der Praxis könnte diese Regelung jedoch zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursachen. Vermieter müssten bei der Nebenkostenabrechnung genau erfassen, welche Preisbestandteile entstanden sind. Gerade kleinere private Eigentümer mit nur wenigen Wohnungen könnten dadurch stärker belastet werden.

Unsicherheit bei den tatsächlichen Heizkosten

Wie hoch die finanziellen Auswirkungen tatsächlich ausfallen, lässt sich derzeit nur schwer seriös beziffern. Niemand kann heute exakt vorhersagen, wie sich CO₂-Preise, Gasnetzentgelte oder die Kosten für Biobrennstoffe in den kommenden Jahren entwickeln werden. Genau diese Faktoren entscheiden jedoch maßgeblich über die Wirtschaftlichkeit neuer Gasheizungen.

Für Mieter könnten daraus jährlich spürbare Zusatzkosten entstehen, selbst wenn ein Teil davon vom Vermieter übernommen wird. Für Eigentümer wiederum steigt das Risiko, in Technik zu investieren, deren laufende Kosten künftig stärker steigen als erwartet.

Deshalb raten viele Energieexperten dazu, Investitionsentscheidungen nicht allein nach dem Motto „Heute günstig, morgen egal“ zu treffen. Heizsysteme werden meist über Jahrzehnte genutzt – kurzfristige Vorteile können langfristig teuer werden.

Politischer Streit um Richtung der Wärmewende

Das Gesetz sorgt bereits vor dem Beschluss für kontroverse Diskussionen. Befürworter betonen größere Entscheidungsfreiheit für Eigentümer und warnen vor Überforderung durch zu strenge Vorgaben. Kritiker sehen dagegen ein Signal zugunsten überholter Technologien und eine Verzögerung der Wärmewende.

Hinzu kommt die soziale Frage des Wohnens. Steigende Energiepreise treffen besonders Haushalte mit geringem Einkommen. Wenn ineffiziente oder teure Heizsysteme weiterverbreitet bleiben, könnte das die Wohnkosten zusätzlich erhöhen.

Was Eigentümer jetzt beachten sollten

Wer in den nächsten Jahren eine Heizung ersetzen muss, sollte Angebote sorgfältig vergleichen und nicht nur den Kaufpreis betrachten. Entscheidend sind Fördermöglichkeiten, Energieverbrauch, Wartungskosten und zukünftige Preisrisiken. Ein moderner Wärmeerzeuger kann sich über die Jahre deutlich unterscheiden – je nachdem, welches System gewählt wird.

Das Gebäudemodernisierungsgesetz schafft zwar mehr Auswahl, nimmt Eigentümern aber nicht die Verantwortung für eine wirtschaftlich kluge Entscheidung ab. Gerade deshalb wird die individuelle Beratung wichtiger denn je.

Zurück