IEA-Studie: Photovoltaik übertrifft 2026 erstmals die Windenergie
04.08.2026: Noch vor wenigen Jahren galt die Wärmepumpe vor allem als Lösung für moderne Neubauten. Viele Eigentümer älterer Häuser waren unsicher, ob die Technik auch in Bestandsgebäuden effizient arbeiten kann. Ein aktuelles Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE zeigt nun: Auch Altbauten können mit Wärmepumpen zuverlässig, effizient und klimafreundlich beheizt werden – ohne dass das Gebäude zwingend auf Neubaustandard saniert werden muss.
Im Rahmen einer Studie wurden 77 Wärmepumpenanlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern über einen Zeitraum von vier Jahren unter realen Bedingungen beobachtet und analysiert. Die Gebäude stammten aus unterschiedlichen Baujahren zwischen 1826 und 2001 und spiegeln damit die Vielfalt typischer Bestandsgebäude wider. Gemessen wurden unter anderem der Stromverbrauch, die erzeugte Wärmeleistung und die sogenannte Jahresarbeitszahl (JAZ). Diese Kennzahl zeigt, wie viel Wärme eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom erzeugen kann.
Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Entwicklung: Moderne Wärmepumpen erreichen auch in älteren Häusern gute Effizienzwerte. Einen entscheidenden Einfluss auf die Leistung hat dabei die verwendete Wärmequelle. Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichten im Durchschnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4. Das bedeutet: Aus einer Einheit Strom entstehen durchschnittlich 3,4 Einheiten Wärme. Erdgekoppelte Wärmepumpen schnitten noch besser ab und kamen auf einen Durchschnittswert von 4,3. Einzelne Anlagen erreichten sogar Werte bis 5,4.
Erdwärme punktet mit konstanter Effizienz
Der Unterschied zwischen den beiden Systemen liegt vor allem in der Wärmequelle. Luft-Wärmepumpen nutzen die Außenluft, deren Temperatur im Jahresverlauf stark schwankt. Besonders an kalten Tagen steigt dadurch der Energiebedarf der Anlage. Erdgekoppelte Wärmepumpen greifen dagegen auf die vergleichsweise konstante Temperatur im Boden zurück und können dadurch gleichmäßiger arbeiten.
Die Untersuchung bestätigt damit frühere Erkenntnisse: Erdwärmepumpen bieten langfristig ein höheres Effizienzpotenzial, sind allerdings mit erhöhten Investitionen und einem umfangreicheren Planungsaufwand verbunden. Luft-Wärmepumpen bleiben dagegen eine attraktive Lösung, insbesondere wenn eine Erdsondenbohrung unmöglich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.
Interessant für Hausbesitzer ist auch: Das Alter eines Gebäudes allein entscheidet nicht über den Erfolg einer Wärmepumpe. Die Forschenden konnten keinen direkten Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz feststellen. Entscheidend sind vielmehr eine passende Dimensionierung, eine fachgerechte Planung und eine optimale Einstellung der Anlage.
Neben der Effizienz untersuchte das Fraunhofer ISE auch die Klimawirkung. Die Ergebnisse zeigen, dass Wärmepumpen im Vergleich zu klassischen Erdgasheizungen deutlich weniger Treibhausgase verursachen. Unter Berücksichtigung des deutschen Strommixes lagen die CO₂-Emissionen der untersuchten Anlagen im Jahr 2024 rund 64 Prozent niedriger als bei Gasheizungen.
Kombination mit Photovoltaik erhöht den Nutzen
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung war die Verbindung von Wärmepumpe und Photovoltaikanlage. Wird eigener Solarstrom für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt, können Hausbesitzer ihren Netzstromverbrauch reduzieren und gleichzeitig die Klimabilanz verbessern. Überschüssiger Solarstrom kann beispielsweise genutzt werden, um Wärme gezielt zu speichern und den Eigenverbrauch zu erhöhen.
Die Messungen an sechs Kombinationen aus Wärmepumpe und Photovoltaik zeigten: Ohne Batteriespeicher konnten die untersuchten Gebäude bereits zwischen 25 und 40 Prozent ihres Energiebedarfs selbst decken. Mit einem Speicher stieg die mögliche Unabhängigkeit deutlich an. Je nach Gebäude und Systemkonfiguration wurden Autarkiegrade von bis zu 62 Prozent erreicht.
Richtige Dimensionierung der Wärmepumpe bleibt ein entscheidender Faktor
Die Studie betrachtet außerdem praktische Aspekte wie Geräuschentwicklung und Anlagenbetrieb. Langzeit-Schallmessungen zeigten, dass nicht nur die Technik selbst, sondern auch Aufstellort, Betriebsweise und mögliche Schallschutzmaßnahmen entscheidend für die Wahrnehmung der Geräusche sind. Bei einigen Gebäuden spielte der allgemeine Umgebungslärm eine größere Rolle als die Wärmepumpe selbst.
Trotz der insgesamt positiven Ergebnisse sehen die Forschenden weiteres Verbesserungspotenzial. Bei einigen Anlagen waren die Systeme größer ausgelegt als notwendig oder arbeiteten häufiger ein und aus als optimal. Auch bei der Planung, Installation und Inbetriebnahme wurden einzelne Schwachstellen festgestellt. Eine sorgfältige Auslegung und professionelle Umsetzung sind daher entscheidend, damit die Wärmepumpe ihr volles Potenzial erreicht.
Für Eigentümer älterer Häuser bedeutet das: Eine Wärmepumpe ist längst keine Technik mehr, die ausschließlich Neubauten vorbehalten ist. Mit der richtigen Planung kann sie auch im Bestand effizient, wirtschaftlich und umweltfreundlich für Wärme sorgen.