Förderstopp für Solaranlagen: Regierung plant massive Einschnitte
27.02.2026: Die deutsche Solarbranche zeigt sich alarmiert: Ein bekannt gewordener Gesetzentwurf zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus dem Haus von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht offenbar deutliche Einschnitte bei der Förderung neuer Photovoltaikanlagen vor. Branchenvertreter warnen, dass diese Pläne den Ausbau der Solarenergie erheblich bremsen und damit sowohl Arbeitsplätze als auch die Klimaziele gefährden könnten.
Nach aktuellen Informationen soll insbesondere die finanzielle Unterstützung für private Solaranlagen in Form der Einspeisevergütung vollständig gestrichen werden. Stattdessen sollen Betreiber kleiner Photovoltaikanlagen ihren eingespeisten Strom künftig verpflichtend selbst vermarkten müssen – etwa über die Strombörse. Für viele private Haushalte würde das den Einstieg in die Solarenergie deutlich komplizierter und wirtschaftlich unsicherer machen.
Scharfe Kritik aus der Solarbranche an Reiches Plänen
Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) kritisiert diese Pläne scharf. Aus Sicht der Branche ist die Einspeisevergütung weiterhin ein zentraler Baustein, um Investitionen in Solaranlagen wirtschaftlich attraktiv zu halten. Ohne diese Sicherheit drohe insbesondere im privaten Bereich ein deutlicher Rückgang neuer Installationen.
Diese Sorge wird auch durch aktuelle Umfragen gestützt: Viele Eigentümer würden bei wegfallender Förderung auf die Installation einer Photovoltaikanlage verzichten. Schon in den vergangenen Jahren hat sich das Wachstum im privaten PV-Segment spürbar abgeschwächt. Weitere Einschnitte könnten diesen Trend verstärken und den Ausbau erneuerbarer Energien insgesamt ausbremsen.
Zusätzlich stößt die geplante Pflicht zur Direktvermarktung auf Kritik. Experten weisen darauf hin, dass die notwendigen technischen und organisatorischen Voraussetzungen vielerorts noch nicht ausreichend entwickelt sind. Insbesondere bei kleinen Anlagen fehlen häufig intelligente Messsysteme und standardisierte Prozesse. Eine kurzfristige Verpflichtung könnte daher dazu führen, dass viele Projekte wirtschaftlich nicht mehr darstellbar sind.
Auch wissenschaftliche Stimmen sehen hier Risiken. Studien zeigen, dass die Direktvermarktung für kleine Anlagen aktuell mit höheren Kosten und größerem Aufwand verbunden ist. Für private Haushalte würde sich die Investition in Photovoltaik dadurch deutlich weniger lohnen.
Bundesregierung macht den Weg für fossile Energie frei – und setzt falsche Signale
Die Diskussion um die Zukunft der Solarenergie fällt in eine Phase, in der die energiepolitischen Rahmenbedingungen ohnehin neu ausgerichtet werden. Mit den Eckpunkten für ein geplantes Gebäudemodernisierungsgesetz, die in dieser Woche bekannt gegeben wurden, will die Bundesregierung mehr Flexibilität bei der Wahl von Heizsystemen schaffen. So soll unter anderem die bisherige Vorgabe entfallen, dass neue Heizungen zu einem großen Anteil mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Stattdessen dürfen nun wieder neue Gas- oder Ölheizungen installiert werden.
Auf den ersten Blick bedeutet das mehr Entscheidungsfreiheit für Eigentümer. In der Praxis entsteht jedoch ein Spannungsfeld: Während einerseits fossile Heizsysteme weiterhin erlaubt bleiben, könnten gleichzeitig Anreize für den Ausbau erneuerbarer Energien – etwa durch Kürzungen bei der Solar-Förderung – geschwächt werden. Damit würden zentrale Bausteine der Energiewende gleichzeitig gelockert und gebremst.
Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Faktor, der in der politischen Debatte bislang oft nur am Rande erwähnt wird: die steigenden CO₂-Kosten, insbesondere durch den europäischen Emissionshandel ab 2028. Dieser wird fossile Energieträger wie Gas und Heizöl schrittweise verteuern und damit die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Lösungen zusätzlich erhöhen. Wer jetzt in Öl oder Gas investiert.
Eigentümer sollten sich genauestens informieren
Gerade vor diesem Hintergrund warnen Branchenvertreter vor widersprüchlichen Signalen. Wenn fossile Heizungen politisch weiterhin zugelassen bleiben, gleichzeitig aber Investitionen in erneuerbare Energien erschwert werden, könnte dies zu Fehlentscheidungen bei Eigentümern führen – mit langfristig sehr hohen Kosten. Auch ohne Einspeisevergütung ist eine Photovoltaikanlage wirtschaftlich. Ausführliche Beratungen durch Fachbetriebe helfen Interessierten bei der Wahl des richtigen Heizsystems oder beim Kauf einer Solaranlage.
Die Solarwirtschaft fordert daher eine klare und verlässliche Strategie: Statt Kürzungen brauche es stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit für Investitionen in erneuerbare Energien. Nur so lasse sich der notwendige Ausbau erreichen und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren.
Ob und in welcher Form die geplanten Änderungen umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die aktuellen Vorschläge im Hinblick auf erneuerbare Energien haben das Potenzial, den Kurs der Energiewende in Deutschland maßgeblich negativ zu beeinflussen.