Reiche gibt Gas: Bundeswirtschaftsministerin aktiviert Krisenmechanismen am Energiemarkt
13.03.2026: Die deutsche Solarlandschaft zeichnet zum Jahresbeginn 2026 ein widersprüchliches Bild. Einerseits wächst die Anzahl der installierten Photovoltaikanlagen unaufhaltsam und nähert sich der Marke von fünf Millionen Einheiten. Andererseits offenbaren die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) eine dramatische Schwächephase der heimischen Solarwirtschaft und eine sinkende Dynamik beim Neubau.
Insgesamt waren Ende 2025 knapp 4,8 Millionen Photovoltaik-Systeme auf deutschen Dächern und Freiflächen registriert. Obwohl dies ein Plus von 17,6 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet, täuscht der reine Anlagenbestand über die tatsächliche Marktsituation hinweg: Die Geschwindigkeit des Zubaus hat sich im Vergleich zu den Vorjahren spürbar verlangsamt.
Anlagenzuwachs und die Grenzen der Statistik
Die installierte Gesamtnennleistung kletterte bis Ende 2025 auf 106.200 Megawatt. Das entspricht einer Steigerung von knapp 12 % innerhalb eines Jahres. Dennoch blieb dieser Zuwachs hinter den Erwartungen früherer Wachstumsphasen zurück. Ein Grund für die hohe Gesamtzahl ist die Erfassung aller einspeisenden Systeme mit eigenem Zähler.
Kleinstlösungen wie Balkonkraftwerke, die primär zur Eigenstromversorgung dienen, sind in diesen offiziellen Zahlen oft gar nicht enthalten. Die Statistik verdeutlicht zudem, dass zwar immer mehr Kapazität installiert wird, die Spitzenleistung im Stromnetz jedoch nur punktuell zur Verfügung steht – so wurde der bisherige Höchstwert von gut 50 Gigawatt erst im Juni 2025 erreicht.
Der dramatische Niedergang der Modulproduktion „Made in Germany“
Während die Installationen auf hohem Niveau verharren, befindet sich die deutsche Solarindustrie im freien Fall. Die Produktion von Solarmodulen im Inland ist im Jahr 2025 regelrecht eingebrochen. Mit nur noch 509.200 produzierten Einheiten sank der Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 60 %.
Dieser Abwärtstrend ist kein neues Phänomen: Bereits 2024 hatte sich die Produktion gegenüber dem starken Jahr 2023 mehr als halbiert. Wo früher fast 3,5 Millionen Module deutsche Fabriken verließen, ist die Fertigung heute auf einen Bruchteil zusammengeschrumpft. Die heimische Industrie verliert damit zunehmend den Anschluss an den Weltmarkt.
Massive Importabhängigkeit von der Volksrepublik China
Die Lücke, welche die schwindende Inlandsherstellung hinterlässt, wird fast vollständig durch Importe gefüllt. Deutschland ist heute in einem historisch hohen Maße von Lieferungen aus dem Ausland abhängig. Über 88 % der im Jahr 2025 eingeführten Solarzellen und Module stammten aus China.
Der Wert dieser Importe belief sich auf 1,8 Milliarden Euro. Im krassen Gegensatz dazu stehen die deutschen Exporte, deren Wert um fast ein Drittel auf nur noch 358 Millionen Euro sank. Damit übersteigen die Einfuhren die Ausfuhren um das Fünffache. Die wichtigsten Abnehmer deutscher Rest-Exporte bleiben europäische Nachbarn wie Italien und Österreich.
Rentabilität für private Stromverkäufer ändert sich
Auch für private Haushalte hat sich das wirtschaftliche Umfeld gewandelt. Zwar stieg die Zahl derer, die Solarstrom verkaufen, bis 2023 auf rund zwei Millionen Haushalte an, doch die Erträge pro Kopf schrumpfen deutlich.
Durchschnittlich erhielten Haushalte 2023 nur noch 153 Euro im Monat aus dem Stromverkauf – ein Rückgang von 37 % gegenüber 2018 (damals 243 Euro). Verantwortlich hierfür ist primär die sinkende Einspeisevergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Wer heute investiert, tut dies immer seltener für die Rendite aus dem Verkauf, sondern fast ausschließlich, um die eigenen Stromkosten durch Selbstverbrauch zu senken.