Erneuerbare Energien: Rekordwert von 58,8 Prozent beim Stromanteil in Deutschland
02.07.2026: Windkraft, Photovoltaik und weitere erneuerbare Energieträger haben ihren Beitrag zur deutschen Stromversorgung im ersten Halbjahr 2026 weiter ausgebaut. Aktuelle Hochrechnungen zeigen, dass inzwischen 58,8 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Einen höheren Anteil gab es in einem ersten Halbjahr bislang nicht. Besonders die Windenergie profitierte von günstigeren Wetterbedingungen als im Vorjahreszeitraum, während auch die Solarenergie ihren positiven Trend fortsetzte.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass erneuerbare Energien einen immer höheren Teil der Stromversorgung übernehmen. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass der Weg bis zum gesetzlich angestrebten Anteil von 80 Prozent am Bruttostromverbrauch im Jahr 2030 noch einige Herausforderungen bereithält. Vor allem der weitere Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen bleibt entscheidend, um dieses Ziel zu erreichen.
Wind- und Solarenergie sorgen für steigenden Ökostromanteil
Nach Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) sowie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wurden zwischen Januar und Juni 2026 rund 152,2 Milliarden Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt. Damit deckten Windenergie, Solarenergie, Biomasse, Wasserkraft und weitere regenerative Energieträger zusammen 58,8 Prozent des deutschen Stromverbrauchs.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der Anteil erneuerbarer Energien ein hohes Niveau erreicht und stieg im ersten Halbjahr 2026 um 3 Prozent gegenüber dem gesamten Vorjahr. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass sich dieser Trend fortsetzt und die regenerative Stromerzeugung weiter wächst.
Besonders die Windkraft trug maßgeblich zum Rekordergebnis bei. Während das erste Halbjahr 2025 vergleichsweise windarm verlief, sorgten die Wetterbedingungen in diesem Jahr für deutlich höhere Stromerträge. Die Stromproduktion durch Windenergie an Land nahm gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sieben Prozent zu. Offshore-Windparks verzeichneten sogar ein Plus von rund 28 Prozent.
Auch die Photovoltaik entwickelte sich positiv. Die Stromerzeugung aus Sonnenenergie erhöhte sich um 3,7 Prozent. Neben dem weiteren Ausbau neuer Solaranlagen trugen günstige Sonneneinstrahlungsbedingungen zu diesem Ergebnis bei.
Wasserkraft schwächer, Biomasse leicht im Plus
Nicht alle erneuerbaren Energiequellen verzeichneten ein positives Wachstum. Aufgrund geringerer Niederschlagsmengen fiel die Stromerzeugung aus Wasserkraft niedriger aus als im Vorjahr. Sie verringerte sich um rund 7,7 Prozent.
Die Biomasse konnte ihren Beitrag dagegen leicht steigern. Mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent blieb ihre Stromproduktion nahezu konstant und trägt weiterhin zur Stabilisierung der erneuerbaren Stromversorgung bei, da Biomasse unabhängig von Wetter- und Tageszeit verfügbar ist.
Die unterschiedlichen Entwicklungen der einzelnen Technologien zeigen, dass sich die verschiedenen erneuerbaren Energiequellen sinnvoll ergänzen. Während Wind- und Solarenergie wetterabhängig arbeiten, liefern Biomasse und Wasserkraft zusätzliche Flexibilität für das Stromsystem.
Photovoltaik wichtiger Wachstumstreiber
Neben den gestiegenen Stromerträgen entwickelt sich auch der Ausbau neuer Anlagen weiter. Besonders bei der Photovoltaik setzt sich der Zubau fort. Immer mehr private Haushalte, Unternehmen und Betreiber größerer Solarparks investieren in neue Solaranlagen.
Auch die Windenergie legte erneut zu. Im ersten Halbjahr 2026 wurden Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 2,5 Gigawatt neu errichtet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag dieser Wert noch bei 2,2 Gigawatt.
Mit jeder neu installierten Anlage steigt nicht nur die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen, sondern auch die Möglichkeit, einen höheren Anteil des Strombedarfs im Inland zu decken.
Zielmarke von 80 Prozent bleibt bestehen
Trotz des neuen Rekordwertes ist das langfristige Ausbauziel noch nicht erreicht. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht vor, dass bis zum Jahr 2030 mindestens 80 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen stammen sollen.
Der aktuelle Anteil von 58,8 Prozent zeigt, dass sich Deutschland auf einem guten Weg befindet. Gleichzeitig macht die Differenz deutlich, dass der weitere Ausbau von Photovoltaik und Windenergie in den kommenden Jahren auf hohem Niveau fortgesetzt werden muss.
Dabei geht es nicht nur um neue Kraftwerkskapazitäten. Essentiell sind leistungsfähige Stromnetze, Batteriespeicher und intelligente Energiemanagementsysteme, damit der erzeugte Strom möglichst effizient genutzt werden kann.
Erneuerbare Energien stärken die Versorgungssicherheit
Nach Einschätzung der beteiligten Fachverbände leisten erneuerbare Energien einen bedeutenden Beitrag zur Stabilisierung der Energieversorgung. Da Wind- und Solarstrom im Inland erzeugt werden, sinkt die Abhängigkeit von importierten Energieträgern.
Gleichzeitig können größere Mengen heimisch produzierten Stroms dazu beitragen, Preisschwankungen auf den internationalen Energiemärkten abzufedern. Insbesondere während der Energiekrisen der vergangenen Jahre wurde deutlich, wie stark geopolitische Entwicklungen die Preise für fossile Energieträger beeinflussen können.
Eine wachsende Stromerzeugung aus Wind und Sonne erhöht daher nicht nur den Anteil klimafreundlicher Energie, sondern verbessert auch die langfristige Versorgungssicherheit.
Beim gesamten Energieverbrauch bleibt noch Potenzial
Während erneuerbare Energien beim Stromverbrauch inzwischen mehr als die Hälfte abdecken, fällt ihr Anteil am gesamten Energieverbrauch Deutschlands weiterhin deutlich geringer aus. Dazu zählen neben Strom auch Wärme, Kraftstoffe und industrielle Energienutzung.
Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen lag der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch im ersten Quartal 2026 bei rund 21,5 Prozent. Fossile Energieträger wie Mineralöl, Erdgas sowie Braun- und Steinkohle dominieren in diesem Bereich weiterhin den Energiemix.
Die aktuellen Zahlen zeigen deshalb zwei Entwicklungen gleichzeitig: Beim Strom schreitet die Energiewende sichtbar voran. Für eine stärkere Dekarbonisierung der Bereiche Wärme und Verkehr sind jedoch weitere Investitionen in erneuerbare Energien, Elektrifizierung und moderne Speicherlösungen erforderlich.