Energiekosten: Was kommt in den nächsten Wochen und Monaten auf die Verbraucher zu?

Energiekosten vs. Solaranlage18.09.2026: Die Energiepreise steigen infolge des Iran-Kriegs deutlich. Besonders betroffen sind Erdgas, Heizöl und Kraftstoffe. Auch am Strommarkt haben die Großhandelspreise kräftig angezogen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher stellt sich deshalb vor Beginn der Heizsaison die Frage: Wie teuer wird Energie in den kommenden Monaten?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verteuerte sich Energie für private Haushalte im August 2026 um 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das war der stärkste Anstieg seit mehr als drei Jahren. Auch auf den Großhandelsmärkten haben die Preise deutlich angezogen. Für Verbraucher bedeutet das allerdings nicht, dass jede Veränderung sofort auf der Rechnung ankommt. Viele Anbieter haben Energie langfristig eingekauft oder ihre Tarife abgesichert.

Erdgas: Deutlicher Preisanstieg vor dem Winter

Der europäische Gaspreis am Handelsplatz TTF ist zuletzt kräftig gestiegen. Hintergrund sind Sorgen über mögliche Lieferausfälle im Nahen Osten und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus. Zeitweise kostete eine Megawattstunde Gas mehr als 83 Euro – so viel wie seit Ende 2022 nicht mehr.

Im September 2025 lag der Preis noch unter 32 Euro. Damit hat sich Gas innerhalb eines Jahres um mehr als 160 Prozent verteuert. Hinzu kommt, dass die europäischen Gasspeicher nach einem hohen Verbrauch wieder aufgefüllt werden müssen. Deutschland und andere Länder stehen dabei in Konkurrenz um Flüssiggas-Lieferungen.

Die höheren Einkaufskosten sind bei den Haushalten bisher nur teilweise angekommen. Die Kilowattstunde Gas kostet derzeit durchschnittlich rund 12,52 Cent. Vor einem Jahr waren es etwa 11,14 Cent. Vor allem Neukundentarife reagieren schnell auf die Entwicklung an den Märkten. Bei bestehenden Verträgen kommen Preisänderungen häufig später. Nach Einschätzung von Energieexperten sind zum Jahreswechsel weitere Erhöhungen zwischen zehn und 20 Prozent möglich, falls das aktuelle Preisniveau anhält.

Strom: Großhandel unter Druck, Haushalte bisher geschont

Auch die Strompreise an der Börse haben deutlich zugelegt. Im September lag der durchschnittliche Großhandelspreis in Deutschland laut den vorliegenden Angaben rund 75 Prozent über dem Vorjahreswert. In einzelnen Abendstunden wurden besonders hohe Preise erreicht.

Ein Grund dafür sind die gestiegenen Gaskosten. Wenn Wind- und Solarenergie nicht ausreichen, müssen häufig Gaskraftwerke einspringen. Gleichzeitig fällt die Photovoltaik-Erzeugung am Abend weg, während der Strombedarf weiter hoch bleibt.

Für Haushalte mit dynamischen Stromtarifen kann das unmittelbar relevant sein. Sie sollten ihren Verbrauch möglichst in günstige Stunden verlagern. Wer keine intelligente Steuerung besitzt, kann beispielsweise das Laden des Elektroautos oder den Betrieb größerer Geräte auf andere Tageszeiten verschieben.

Bei klassischen Stromtarifen sind die höheren Börsenpreise bislang noch nicht vollständig angekommen. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt nach den genannten Daten sogar unter dem Niveau des Vorjahres. Wie es weitergeht, hängt unter anderem vom Ausbau erneuerbarer Energien, vom Netzausbau und vom Bau neuer Reservekraftwerke ab.

Heizöl: Besonders hohe Belastung für Ölheizungen

Heizöl ist ebenfalls deutlich teurer geworden. Rohöl der Sorte Brent kostete zuletzt rund 108 Dollar je Barrel. Das liegt etwa 60 Prozent über dem Vorjahreswert.

Der Preis für Heizöl lag zuletzt bei ungefähr 1,66 Euro pro Liter. Im September 2025 waren es nach den vorliegenden Vergleichswerten noch rund 0,93 Euro je Liter. Aktuell werden im Durchschnitt etwa 1,56 Euro pro Liter verlangt.

Wer beispielsweise 3.000 Liter Heizöl benötigt, muss bei einem Preis von rund 1,56 Euro je Liter mit Kosten von etwa 4.680 Euro rechnen. Im Vorjahr hätte dieselbe Menge bei rund 93 Cent je Liter noch ungefähr 2.790 Euro gekostet. Wie hoch die tatsächliche Rechnung ausfällt, hängt unter anderem vom aktuellen Tagespreis, der Bestellmenge und dem Lieferort ab.

Benzin und Diesel als Preistreiber

Die höheren Rohölpreise schlagen auch auf den Kraftstoffmarkt durch. Benzin und Diesel haben neue Höchststände erreicht. Im August lagen die Kraftstoffpreise nach Angaben von Destatis fast 28 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Der Tankstellenverband rechnet sogar mit Preisen von bis zu drei Euro je Liter. Autofahrer können versuchen, Preisschwankungen auszunutzen, abseits der Autobahn zu tanken und die Preise verschiedener Tankstellen zu vergleichen.

Der Anstieg des Ölpreises ist nur ein Teil der Erklärung für die hohen Preise an den Tankstellen. Entscheidend sind auch die Kosten und Margen bei der Verarbeitung des Rohöls.

Raffinerien kaufen Rohöl ein und verarbeiten es zu Benzin, Diesel und anderen Mineralölprodukten. Die Differenz zwischen dem Rohölpreis und den Preisen der fertigen Produkte wird als Raffineriemarge bezeichnet. Sind Raffinerien knapp ausgelastet oder fallen Anlagen aus, können diese Margen deutlich steigen.

Das bedeutet: Selbst wenn der Rohölpreis nur moderat steigt, können Benzin und Diesel an den Zapfsäulen deutlich stärker zulegen. Umgekehrt können sinkende Rohölpreise bei hohen Raffineriemargen teilweise bei den Verbrauchern ankommen.

Für die aktuelle Entwicklung ist deshalb nicht nur die Frage entscheidend, wie teuer ein Barrel Rohöl ist. Auch die weltweiten Raffineriekapazitäten, mögliche Produktionsausfälle und die Nachfrage nach Benzin und Diesel spielen eine wichtige Rolle.

Die Bundesregierung plant Entlastungen. Wie diese konkret aussehen und wann sie greifen, ist bislang offen.

Was Haushalte jetzt beachten sollten

Wie stark die Kosten für einzelne Haushalte steigen, hängt vom Energieträger, dem Verbrauch und dem jeweiligen Vertrag ab. Einen Überblick über typische Heizkosten gibt der jährlich veröffentlichte Heizspiegel, der in den kommenden Tagen erscheinen wird. Er zeigt, wie sich die Entwicklungen bei Gas, Öl und anderen Heizsystemen auf die jährlichen Ausgaben auswirken.

Immobilienbesitzern bleibt zumindest der Umstieg auf ganzheitliche erneuerbare Energiesysteme, um sich langfristig von Preissteigerungen durch weltweite Krisen zu entkoppeln.

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