Einspeisevergütung: RWE-Chef stellt Einspeisevergütung infrage

Solardach, Euro, Einspeisevergütung29.08.2025: Die staatliche Förderung privater Solaranlagen steht erneut in der Kritik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erwägt, die Zuschüsse zur Einspeisung abzuschaffen. Unterstützung erhält sie dabei von RWE-Chef Markus Krebber, der das bestehende Modell für ineffizient und unausgewogen hält. Das Säbelrasseln in Richtung Solarenergie geht damit in eine neue Runde.

Photovoltaik hat in Deutschland stark an Bedeutung gewonnen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die installierte Leistung verdoppelt. Ende März 2025 waren mehr als 4,2 Millionen Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 100 Gigawatt in Betrieb. Damit stammten rund 14 Prozent des deutschen Stroms aus Solarkraft.

Kritik an Einspeisevergütung

Krebber stellt die bestehende Vergütungsregelung infrage. Der ins Netz eingespeiste Strom werde häufig dann produziert, wenn bereits ein Überangebot herrsche. Dennoch erhielten Betreiber dafür bis zu zehn Cent pro Kilowattstunde – ein Wert, der über dem Großhandelspreis liegt.

Zudem tragen private Anlagenbesitzer nach Ansicht des RWE-Chefs kaum zum Ausbau der Netzinfrastruktur bei. Da die Umlage bislang am Stromverbrauch bemessen wird, senken sie mit Eigenversorgung ihre Abgaben, während andere Verbraucher die Kosten tragen.

Vorschlag für Anschlussbeiträge

Um die Belastungen gerechter zu verteilen, plädiert Krebber für eine neue Kostenstruktur. Jeder Betreiber, ob Solar, Wind oder Biogas, solle beim Anschluss an das Netz einen Baukostenzuschuss zahlen. Auf diese Weise würde sichergestellt, dass Investitionen in erneuerbare Energien nur dort erfolgen, wo sie auch wirtschaftlich tragfähig sind.

Krebber betont, dass er private Solaranlagen grundsätzlich befürwortet. Entscheidend sei jedoch, dass diese ohne staatliche Förderung betrieben und die Netzkosten verursachungsgerecht verteilt würden.

Zweifel am Nutzen von Heimspeichern

Auch der Einsatz privater Batteriespeicher wird kritisch bewertet. Energieökonom Lion Hirth von der Hertie School weist darauf hin, dass diese Speicher oft schon nach kurzer Zeit vollständig geladen seien. Bei starker Sonneneinstrahlung könnten sie daher keinen Beitrag zur Stabilisierung des Netzes leisten.

Da Batteriespeicher zudem mit Steuergeldern gefördert werden und teilweise von Netzentgelten befreit sind, sieht Hirth darin einen Fehlanreiz. Der Nutzen für die Versorgungssicherheit sei gering, während die Kosten von der Allgemeinheit getragen würden.

Forderung nach neuer Förderpolitik

Neben RWE äußerte auch E.ON-Chef Leo Birnbaum Kritik an der aktuellen Unterstützung privater Photovoltaik. Er warnt vor Überkapazitäten und spricht sich für ein Ende der Subventionen aus. Technologien, die sich längst am Markt behaupten könnten, sollten seiner Ansicht nach nicht länger mit Steuermitteln gefördert werden.

Die Energiewirtschaft fordert insgesamt eine Neuordnung der Förderinstrumente. Nur wenn erneuerbare Energien zu den geringsten Kosten produziert würden, lasse sich auch langfristig gesellschaftliche Akzeptanz sicherstellen.

Erfahrungen von Photovoltaikanlagenbesitzern

Gegenteilige Stimmen kommen von privaten Nutzern. Ein Betreiber berichtete, seit der Inbetriebnahme seiner Anlage im Frühjahr 2025 nahezu unabhängig vom öffentlichen Netz zu sein. Lediglich bei Unwettern müsse er auf gespeicherte Energie seines Heimspeichers zurückgreifen. Die Anlage liefere sonst auch bei bedecktem Himmel oder leichtem Regen zuverlässig Energie. Für ihn überwiegt der persönliche Vorteil, auch wenn Netzbetreiber durch den Ausbau privater Solardachanlagen Kunden verlieren.

Solche Beispiele verdeutlichen, dass die Debatte vor allem eine ökonomische und deshalb auch eine Frage der individuellen Energieunabhängigkeit ist. Wer nicht mehr auf Konzerne angewiesen ist, ist auch nicht deren Preisschwankungen ausgesetzt und bestimmt weitgehend selbst.

Bürokratie behindert Netzausbau

Die Dimension der Förderung zeigt sich bei einem Blick auf die Zahlen der Bundesnetzagentur. 2023 flossen knapp zehn Milliarden Euro in die Unterstützung von Solarstrom, weitere Milliarden gingen an Wind- und Biomasseanlagen. Die Summen liegen deutlich über denen der Vorjahre.

Parallel dazu geraten Netzbetreiber zunehmend unter Druck. In mehreren Regionen mussten neue Photovoltaikanlagen vorübergehend vom Anschluss ausgeschlossen werden, weil die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichten. Die Kosten nun auf die Solaranlagenbesitzer abzuwälzen, bleibt dennoch zweifelhaft. Der seit Jahren verschleppte Netzausbau ist die Folge der ausufernden Bürokratie, gesteuert durch die Politik und nicht durch private Photovoltaikbesitzer verursacht worden.

Befürworter verweisen darauf, dass auch andere Energieträger über Jahrzehnte hinweg mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden, etwa die Kernenergie. Zudem gilt Photovoltaik heute als günstigste Form der Stromerzeugung, vergleicht man die Stromgestehungskosten. Die Diskussion über die Zukunft der Solarförderung dürfte daher noch längere Zeit andauern und nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Aspekte umfassen.

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