Contracts for Difference (CfD): Wie Differenzverträge die Energiewende voranbringen

PV-Module einer Solargroßanlage10.02.2026: Erneuerbare Energien gewinnen in der Stromversorgung zunehmend an Bedeutung. Damit der Ausbau von Wind- und Solaranlagen gelingt, benötigen Betreiber stabile Rahmenbedingungen für ihre Investitionen. Die Errichtung solcher Anlagen ist teuer, während die laufenden Betriebskosten gering sind. Um die Projekte wirtschaftlich tragfähig zu machen, braucht es daher eine verlässliche Refinanzierung über die Zeit. Contracts for Difference, kurz CfD, stellen genau ein solches Instrument dar. Sie sichern die Einnahmen von Betreibern ab und stellen gleichzeitig sicher, dass hohe Marktgewinne an den Staat oder die Verbraucher zurückfließen.

Was sind Contracts for Difference (CfD) und warum sind sie wichtig?

CfDs werden zwischen dem Staat und Betreibern großer Erneuerbare-Energien-Anlagen geschlossen. Sie legen einen festen Preis für jede erzeugte Kilowattstunde Strom fest, den sogenannten Strike-Price.

Fällt der Strompreis unter diesen Wert, gleicht der Staat die Differenz aus. Liegt der Preis darüber, müssen die Betreiber die Überschüsse zurückführen. Auf diese Weise profitieren die Investoren von Planungssicherheit, während die Gesellschaft vor übermäßigen Kosten geschützt wird.

Wie funktionierte die Förderung von Ökostrom bisher?

Bisher sicherte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Betreibern von Wind- und Solaranlagen feste Vergütungen. Bei kleineren Anlagen wurde jede eingespeiste Kilowattstunde mit einem festen Cent-Betrag vergütet. Bei größeren Projekten kam die Marktprämie zum Einsatz, die über Ausschreibungen bestimmt wurde. Beide Modelle boten den Betreibern über viele Jahre verlässliche Einnahmen, die für die Aufnahme von Bankkrediten entscheidend waren.

Alternativ konnten die Erzeuger den Strom direkt am Markt verkaufen. Dabei war ein monatlicher Wechsel zwischen geförderter Einspeisung und Direktvermarktung möglich. Dieses System sicherte vor allem den Ausbau von kapitalintensiven Großprojekten, da Banken nur unter stabilen Einnahmebedingungen Kredite vergaben.

Wie funktionieren Differenzverträge im Detail?

CfD setzen auf das sogenannte Cap-und-Floor-System. Der Vertrag legt einen Mindestpreis, den Floor, und einen Höchstpreis, den Cap, fest. Liegt der Marktpreis innerhalb dieses Bereichs, erfolgt keine Zahlung. Fällt der Preis unter den Floor, zahlt der Staat die Differenz aus. Steigt der Preis über den Cap, müssen die Betreiber die Überschüsse zurückgeben.

Dieses Prinzip sorgt für doppelte Sicherheit: Investoren erhalten kalkulierbare Einnahmen, und gleichzeitig werden extreme Gewinne abgeschöpft. Die Abrechnung kann jährlich, monatlich oder stündlich erfolgen. Jahresbasierte Abrechnungen reduzieren die Komplexität und bieten stabile Einnahmen. Kurzfristige Abrechnungen erhöhen die Schwankungen und erschweren die Finanzierung.

Welche Vorteile bieten Differenzverträge für Investoren, für Verbraucher und den Staat?

Die hohen Anfangsinvestitionen bei Wind- und Solaranlagen stellen eine große Hürde dar. CfD bieten den Betreibern eine verlässliche Einnahmegrundlage, die Banken als Sicherheiten akzeptieren. Dadurch sinkt das Investitionsrisiko und Kredite können leichter gewährt werden. Gleichzeitig können flexible Vermarktungsoptionen wie Power-Purchase-Agreements genutzt werden, um zusätzliche Erlöse zu erzielen.

Die Rückzahlungsoptionen bei hohen Marktpreisen sorgen dafür, dass übermäßige Gewinne aus erneuerbaren Anlagen nicht ausschließlich den Betreibern zufließen. Stattdessen fließen diese Mittel in den Staatshaushalt oder können zur Entlastung der Stromkunden verwendet werden. Damit wird die Energiewende sozial ausgewogen, ohne die Investitionssicherheit der Projektierer zu gefährden.

Wie wird die Umsetzung von CfD in Deutschland geplant?

Deutschland plant, Differenzverträge ab 2027 als neues Förderinstrument einzusetzen. Das bisherige EEG-Modell läuft teilweise aus, und die Gesetzgebung soll an die EU-Vorgaben angepasst werden. Die genauen Regeln für die Abrechnung, die Rückzahlungsmodalitäten und die Laufzeit der Verträge stehen noch aus. Ziel ist es, die bestehenden Mechanismen nicht abrupt zu ändern, sondern die neuen Differenzverträge an das bewährte EEG-Modell anzulehnen.

Neben der Absicherung der Einnahmen ist die Marktintegration entscheidend. Betreiber sollen weiterhin auf Preissignale reagieren können. Speichertechnologien und steuerbare Lasten können so optimal genutzt werden. CfD müssen daher flexibel gestaltet werden, damit ein Wechsel zwischen geförderter Einspeisung und Direktvermarktung weiterhin möglich ist. Gleichzeitig sollen Rückzahlungen nur bei staatlich geförderten Anlagen greifen, um Cherrypicking zu verhindern.

Welche Abrechnungsmodelle sind sinnvoll?

Studien und Simulationen zeigen, dass die Höhe der Rückzahlungen stark von der gewählten Abrechnungsperiode abhängt. Jahresbasierte Abrechnung sorgt für stabile Einnahmen und erleichtert die Kreditvergabe.

Monatliche oder stündliche Abrechnung erhöht die Komplexität und kann in einzelnen Monaten zu Rückzahlungen führen, während in anderen Phasen Auszahlungen erfolgen. Banken und Investoren bevorzugen daher einfach strukturierte Modelle mit klar definierten Floors und Caps.

Wie können Differenzverträge den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen?

Die Umsetzung erfordert, dass die zukünftigen Bedingungen frühzeitig klar kommuniziert werden. Betreiber müssen die neuen Regeln kennen, um ihre Projekte rechtzeitig zu planen und zu finanzieren. Eine zu komplexe Struktur würde die Finanzierung erschweren und könnte Projekte verzögern. Daher ist ein praxisnahes Design entscheidend, das Investoren, Banken und den Staat gleichermaßen berücksichtigt.

Differenzverträge stellen ein modernes Förderinstrument für große Erneuerbare-Energien-Anlagen dar. Sie verbinden Investitionssicherheit für Betreiber mit Fairness für Verbraucher und Staat. Durch die Kombination von Sicherheiten für Projektierer und Rückflussmöglichkeiten für den Staat entsteht ein ausgewogenes System.

Richtig ausgestaltet fördern sie den Ausbau von Solar- und Windenergie, ermöglichen eine effiziente Marktintegration und schaffen stabile Rahmenbedingungen für die Finanzierung. Damit leisten CfD einen entscheidenden Beitrag zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Energieversorgung in Deutschland und Europa.

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