IEA-Studie: Photovoltaik übertrifft 2026 erstmals die Windenergie

Atomkraftwerk an einem Fluss31.07.2026: Die zunehmenden Hitzewellen und ausbleibenden Niederschläge in Europa haben weitreichende Folgen. Nicht nur die Schifffahrt kämpft mit extrem niedrigen Wasserständen, auch die Energieversorgung ist betroffen. Zahlreiche Flüsse führen deutlich weniger Wasser als üblich – mit direkten Auswirkungen auf Kraftwerke, die auf diese Gewässer zur Kühlung oder Stromerzeugung angewiesen sind.

In mehreren europäischen Ländern müssen derzeit Atomkraftwerke ihre Leistung reduzieren oder einzelne Reaktoren vorübergehend abschalten. Der Grund: Es fehlt an ausreichend Kühlwasser oder die Temperatur der Flüsse erreicht kritische Werte. Besonders betroffen sind Länder wie Frankreich, Rumänien und Ungarn.

Warum Atomkraftwerke Wasser benötigen

Atomkraftwerke erzeugen Strom, indem durch Kernspaltung Wärme entsteht. Diese Wärme wird genutzt, um Dampf zu erzeugen, der Turbinen antreibt. Ein großer Teil der dabei entstehenden Wärme muss anschließend wieder abgeführt werden.

Viele Kraftwerke nutzen dafür Flüsse oder Seen als Kühlwasserquelle. Bei normalen Bedingungen ist das unproblematisch. In langen Hitzeperioden entstehen jedoch zwei zentrale Herausforderungen:

Zum einen führen Flüsse bei Trockenheit deutlich weniger Wasser. Dadurch steht weniger Kühlwasser zur Verfügung. Zum anderen sind die Gewässer bereits durch die hohen Außentemperaturen aufgeheizt. Wird zusätzlich erwärmtes Kühlwasser eingeleitet, können ökologische Grenzwerte überschritten werden. Um Schäden für Fische und andere Wasserlebewesen zu vermeiden, müssen Betreiber die Leistung der Anlagen reduzieren.

Rumänien schaltet Kernkraftwerk an der Donau herunter

Besonders deutlich zeigt sich die Situation am rumänischen Kernkraftwerk Cernavodă. Die Anlage verfügt über zwei Reaktorblöcke und ist das einzige Atomkraftwerk des Landes. Normalerweise liefert es rund ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs.

Wegen der extrem niedrigen Wasserstände der Donau wurden beide Reaktorblöcke zeitweise abgeschaltet. Der Betreiber verwies dabei auf die vorgesehenen Maßnahmen für schwere Dürreperioden.

Die Donau ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas und durchquert auf ihrem Weg vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer zehn Länder. Nach Monaten mit geringen Niederschlägen und mehreren Hitzewellen erreichten einzelne Abschnitte des Flusses außergewöhnlich niedrige Pegelstände.

Ungarn warnt vor möglichen Stromengpässen

Auch Ungarn ist von der Situation betroffen. Das Kernkraftwerk Paks an der Donau gehört zu den wichtigsten Stromerzeugern des Landes. Die vier Reaktoren liefern einen erheblichen Anteil der ungarischen Elektrizität.

Wegen des Mangels an Kühlwasser musste zunächst ein Reaktor heruntergefahren werden. Weitere Abschaltungen wurden vorbereitet. Die ungarische Regierung kündigte an, Stromreserven einzusetzen und zusätzliche Importe zu prüfen.

Die Situation zeigt, wie abhängig einzelne Energiesysteme von äußeren Bedingungen sein können. Selbst Kraftwerke, die unabhängig von Wind und Sonne Strom erzeugen, sind nicht vollständig wetterunabhängig.

Auch Wasserkraft leidet unter Trockenheit

Nicht nur Atomkraftwerke sind von niedrigen Flusspegeln betroffen. In Österreich, wo keine Kernkraftwerke betrieben werden, geraten Wasserkraftanlagen unter Druck.

Vor allem kleinere Wasserkraftwerke können bei stark gesunkenen Wasserständen nur noch eingeschränkt arbeiten. Viele Anlagen produzieren deutlich weniger Strom oder müssen zeitweise ganz abgeschaltet werden.

Ein zusätzlicher Faktor ist der Rückgang von Schmelzwasser aus Gletschern. In Regionen, die früher im Sommer von Schmelzwasser profitierten, steht diese natürliche Wasserreserve zunehmend weniger zur Verfügung.

Frankreich besonders betroffen

Frankreich gehört zu den Ländern, die besonders stark auf Kernenergie setzen. Frankreich gehört weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Kernenergie. Traditionell stammen rund zwei Drittel der französischen Stromerzeugung aus Atomkraftwerken. Gleichzeitig erlebt das Land regelmäßig intensive Hitzewellen.

Auch dort mussten bereits mehrfach Reaktoren wegen hoher Wassertemperaturen oder zu geringer Kühlmöglichkeiten gedrosselt werden. Am Kraftwerk Golfech im Südwesten Frankreichs wurde beispielsweise ein Reaktor zeitweise abgeschaltet, um eine weitere Erwärmung des Flusses Garonne zu verhindern.

Für Frankreich ist das besonders relevant, weil das Land in normalen Zeiten häufig Strom exportiert. Fallen mehrere Reaktoren gleichzeitig aus, kann sich die Situation umkehren und zusätzliche Stromimporte werden notwendig.

Auswirkungen auf Strompreise und Versorgungssicherheit

Wenn mehrere Kraftwerke gleichzeitig weniger Strom produzieren, sinkt das Angebot am Strommarkt. In Zeiten hoher Nachfrage kann das zu steigenden Strompreisen führen.

Um die fehlende Leistung auszugleichen, müssen andere Energiequellen stärker genutzt werden. Dazu gehören:

  • Gaskraftwerke,
  • Kohlekraftwerke,
  • erneuerbare Energien, wenn Wind und Sonne ausreichend verfügbar sind,
  • Stromimporte aus Nachbarländern.

Besonders problematisch wird es, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: hohe Temperaturen, steigender Stromverbrauch durch Kühlung, wenig Wind, geringe Wasserkraftproduktion und zusätzliche Kraftwerksausfälle.

Eine einzelne Abschaltung bedeutet noch keine Gefährdung der Stromversorgung. Häufen sich solche Ereignisse jedoch, steigt die Belastung für das gesamte Energiesystem.

Erneuerbare Energien als Baustein für ein resilienteres Energiesystem

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass kein Energiesystem vollständig frei von äußeren Einflüssen ist. Auch vermeintlich stabile Energiequellen können durch Klimaveränderungen vor neue Herausforderungen gestellt werden.

Für die Zukunft bedeutet das: Energiesysteme müssen vielfältiger, flexibler und resilienter werden. Eine größere Rolle spielen dabei:

  • der Ausbau erneuerbarer Energien,
  • leistungsfähigere Stromnetze,
  • Speichertechnologien,
  • eine intelligente Steuerung des Energieverbrauchs,
  • angepasste Konzepte für den Betrieb und die Kühlung von Kraftwerken.

Die zunehmenden Hitze- und Trockenperioden machen deutlich: Klimaveränderungen betreffen nicht nur Landwirtschaft und Natur, sondern zunehmend auch Infrastruktur und Energieversorgung. Ein resilientes Energiesystem muss deshalb in der Lage sein, Schwankungen und Ausfälle einzelner Erzeugungsarten auszugleichen und die Versorgung auch unter veränderten klimatischen Bedingungen sicherzustellen.

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