Erneuerbare Energie: Stromerzeugung erreicht im Juli neuen Höchststand

Off-Shore-Windkraftanlage19.08.2026: Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien hat im Juli 2026 in Deutschland einen neuen Monatsrekord erreicht. Nach vorläufigen Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) wurden innerhalb des Monats rund 29,0 Terawattstunden (TWh) Strom aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft erzeugt. Damit lag die regenerative Stromerzeugung höher als in jedem anderen Kalendermonat seit Beginn der entsprechenden Auswertungen.

Für das Rekordergebnis waren vor allem zwei Faktoren ausschlaggebend: eine außergewöhnlich hohe Solarstromproduktion und überdurchschnittliche Erträge aus der Windenergie. Im Juli trafen damit zwei besonders leistungsstarke erneuerbare Quellen zusammen. Der bisherige Spitzenwert für einen einzelnen Monat war im Februar 2022 erreicht worden. Damals hatten insbesondere stürmische Wetterlagen für eine ungewöhnlich hohe Windstromproduktion gesorgt. Der erzeugte Stromrekord im Sommermonat Juli speist sich dagegen aus zwei primären Quellen.

Auch die Bilanz für das bisherige Jahr fällt deutlich positiv aus. Von Januar bis einschließlich Juli erzeugten erneuerbare Anlagen in Deutschland insgesamt 182,2 TWh Strom. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Plus von 14,1 TWh oder rund acht Prozent. Damit setzt sich das Wachstum der regenerativen Stromerzeugung trotz unterschiedlicher Entwicklungen bei den einzelnen Energieträgern fort.

Solarstrom erreicht neuen Höchstwert

Besonders stark entwickelte sich im Juli die Photovoltaik. Solaranlagen produzierten innerhalb des Monats 14,1 TWh Strom und stellten damit ebenfalls einen neuen Monatsrekord auf. Für die ersten sieben Monate des Jahres summiert sich die Solarstromerzeugung auf 67,4 TWh. Das sind zehn Prozent mehr als im entsprechenden Zeitraum des Jahres 2025.

Die günstigen Bedingungen für die Photovoltaik wurden durch die Witterung verstärkt. Deutschland verzeichnete im Juli mehr als 270 Sonnenstunden. Diese Zahl sorgte zusammen mit der inzwischen deutlich gewachsenen installierten Leistung dafür, dass die Solaranlagen einen erheblichen Beitrag zur gesamten Stromproduktion leisten konnten.

Beim Ausbau der Photovoltaik zeigt sich allerdings eine etwas andere Entwicklung. Zwischen Januar und Juli kamen nach vorläufigen Angaben netto rund 9,6 GW neue Solarleistung hinzu. Damit wurde zwar weiterhin in großem Umfang zusätzliche Kapazität geschaffen, das Ausbautempo lag jedoch unter dem Niveau des Vorjahres.

Windenergie bleibt wichtigste Säule

Neben der Solarenergie trug auch die Windkraft wesentlich zum Juli-Rekord bei. Die Anlagen an Land erzeugten von Januar bis Juli insgesamt 107,2 TWh Strom. Damit lag ihre Produktion zwölf Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Die Windenergie an Land bleibt damit eine der wichtigsten Säulen der deutschen erneuerbaren Stromversorgung.

Noch stärker fiel das Wachstum bei der Offshore-Windenergie aus. Die Stromproduktion der Anlagen in Nord- und Ostsee erreichte in den ersten sieben Monaten 26,5 TWh. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Anstieg um 28 Prozent.

Auch beim Ausbau der Offshore-Kapazitäten ist eine hohe Dynamik erkennbar. Von Januar bis Juli wurden vorläufig rund 1.194 MW zusätzliche Leistung auf See installiert. Damit wurde bereits nach sieben Monaten mehr neue Offshore-Windleistung in Betrieb genommen als in jedem vollständigen Kalenderjahr seit 2020. Neben den günstigen Windbedingungen im Juli wirkt sich somit zunehmend auch der Ausbau der installierten Anlagen auf die Stromerzeugung aus. Bei der Windkraft an Land kamen im gleichen Zeitraum rund 2.263 MW neue Leistung hinzu.

Wasserkraft leidet unter trockener Witterung

Nicht alle erneuerbaren Energieträger konnten ihre Produktion steigern. Bei der Wasserkraft führte die trockene Witterung zu einem deutlichen Rückgang. Von Januar bis Juli wurden 8,5 TWh Strom erzeugt. Das entspricht einem Minus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Bei der Bewertung dieser Entwicklung muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Niederschlagsmenge in Deutschland nur eingeschränkt Rückschlüsse auf die tatsächlichen Bedingungen der Wasserkraft zulässt. Ein wesentlicher Teil der installierten Leistung konzentriert sich auf den Süden des Landes. Rund 80 Prozent der deutschen Wasserkraftkapazität befinden sich in Bayern und Baden-Württemberg. Für die Erzeugung sind daher insbesondere die regionalen Niederschlags- und Abflussverhältnisse in diesen Gebieten von Bedeutung.

Auch die Biomasse verzeichnete einen leichten Rückgang. Ihre Stromproduktion lag bis Ende Juli bei 23,9 TWh und damit rund drei Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums.

Ausbau bleibt politische Herausforderung

Der neue Monatsrekord unterstreicht aus Sicht der Bundesregierung die wachsende Bedeutung erneuerbarer Energien für die deutsche Energieversorgung. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sieht insbesondere bei der Windenergie weiteren Handlungsbedarf. Während Deutschland beim Ausbau der Photovoltaik mit Blick auf die Ziele für 2030 nach seiner Einschätzung auf einem guten Weg ist, müsse die Entwicklung der Windenergie weiter beschleunigt werden.

Im Klimaschutzprogramm sind deshalb zusätzliche Ausschreibungen mit einem Umfang von zwölf Gigawatt für Windenergieanlagen an Land vorgesehen. Damit soll mehr neue Leistung geschaffen und der Ausbau der Windkraft vorangetrieben werden. Gleichzeitig steht die Offshore-Windenergie vor der Aufgabe, die zuletzt gestiegene Investitions- und Ausbauaktivität langfristig fortzusetzen.

Die Bundesregierung will den Ausbau der erneuerbaren Energien zudem mit einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes weiter absichern. Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Erzeugungskapazitäten, sondern zunehmend auch um eine bessere Abstimmung zwischen Stromerzeugung, Netzen und Verbrauch. Mit dem wachsenden Anteil von Wind- und Solarstrom gewinnt diese Koordinierung an Bedeutung, weil die Erzeugung stärker von den jeweiligen Wetterbedingungen abhängt.

Wetter und Ausbau bestimmen das Ergebnis

Der Juli-Rekord lässt sich deshalb nicht allein mit dem Zubau neuer Anlagen erklären. Die Entwicklung ist das Ergebnis eines Zusammenspiels aus zusätzlicher Erzeugungskapazität und günstigen meteorologischen Bedingungen. Die hohe Zahl an Sonnenstunden sowie die überdurchschnittlichen Windstromerträge haben die Produktion im Juli besonders stark steigen lassen.

Gleichzeitig macht der Rückgang der Wasserkraft deutlich, dass Wettereffekte auch in der erneuerbaren Stromerzeugung zu erheblichen Schwankungen führen können. Der Ausbau verschiedener Technologien sorgt daher nicht nur für mehr Stromproduktion, sondern trägt auch dazu bei, unterschiedliche Erzeugungsprofile miteinander zu kombinieren.

Die Zahlen für die ersten sieben Monate zeigen insgesamt eine positive Entwicklung. Mit 182,2 TWh liegt die erneuerbare Stromerzeugung deutlich über dem Vorjahreswert. Solar- und Windenergie liefern den größten Teil des Zuwachses, während Wasserkraft und Biomasse rückläufig sind.

Der Juli markiert damit einen neuen Höchststand der erneuerbaren Stromproduktion in Deutschland. Ob sich das hohe Niveau auch in den kommenden Monaten fortsetzt, wird jedoch sowohl vom weiteren Ausbau der Anlagen als auch von den jeweiligen Wetterbedingungen abhängen. Klar ist bereits jetzt, dass Wind- und Solarenergie einen immer höheren Anteil an der deutschen Stromversorgung übernehmen und damit zugleich die Anforderungen an Netze, Speicher und die flexible Nutzung des erzeugten Stroms wachsen.

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